ThermiVA: schonende Vaginalstraffung

Eine neue Behandlungsmethode aus den USA hilft nichtinvasiv bei Belastungsinkontinenz und gibt dem Sexleben neuen Schwung. Wir haben mit einem Gynäkologen über die Hollywoods neue "Pre-Baby-Body" Vaginaverjüngung gesprochen

Thermiva Vaginalstraffung
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Intim-OP - muss das sein?
Operative und minimalinvasive Eingriffe aus kosmetischen Gründen sind längst Standard: Nasen-OP, Brustvergrößerung, Botox gegen Falten. Kommt das Thema jedoch auf Intim-OPs wie Labioplastik oder den G-Punkt-Shot, werden wir plötzlich alle ganz gschamig und zu Moralaposteln: Muss man wirklich an einem Körperteil rumdoktern, den nur sehr wenige Menschen zu Gesicht bekommen? Wie weit soll das Schönheitsdiktat denn noch gehen?

 
Pathologischer Jugendwahn ist das eine - in der oft uninformierten Debatte über Intim-OPs wird jedoch gern unter den Tisch gekehrt, wie Frauen durchaus unter großen Labien oder unter einem unerfüllten Sexleben leiden. 16% der Frauen in Deutschland sind außerdem von Harninkontinenz aufgrund von geschwächter Beckenbodenmuskulatur betroffen, oft eine Folge der Beckenbodenbelastung durch Schwangerschaft und natürlicher Entbindung.
 

Frauen mit Harninkontinenz bleibt entweder der operative Eingriff oder das klassische Beckenbodentrainig und die Teena Lady Binde als ständiger Handtaschenbegleiter. Frauen mit unbefriedigender bis schmerzhafter Sexualität werden oftmals gänzlich allein gelassen und auf Hilfsmittel wie Gleitgels und Sexspielzeug verwiesen. Zurück bleiben Frauen mit dem Gefühl, selbst schuld an ihrer vermeintlichen „Frigidität“ zu sein und sich damit abfinden zu müssen, unsexy und eine unbefriedigende Sexualpartnerin zu sein – und zwar für den Rest des Lebens.
 
Vagina verjüngen - geht das?
Eine neue Methode aus den USA verspricht nun die Straffung der Vagina: schnell, schonend und nicht invasiv. ThermiVa heißt die Behandlung mit Thermi-Radiofrequenztherapie, die Frauen bei Überdehnung des Geburtsgangs und Gebärmuttersenkung, körperlich bedingter sexueller Dysfunktion, leichter Belastungsinkontinenz, altersbedingter Trockenheit und atrophischen Veränderungen der äußeren Schamlippen helfen soll. Kostenpunkt: ca. 900 Euro pro Sitzung.
Wir haben mit Gynäkologe Dr. med Frank Schneider-Affeld über die neue Behandlungsmethode ThermiVA gesprochen.

 
MADAME.de: Herr Dr. Schneider-Affeld, wie genau funktioniert ThermiVA?

Dr. Schneider-Affeld:  Bereits ab Mitte 20 beginnt der Körper, weniger Kollagen zu produzieren. Dadurch nimmt die Elastizität der Haut nicht nur im Gesicht, am Bauch, an den Armen und Beinen ab, auch der intimste Teil der Frau zeigt im Laufe der Zeit Schwächen: im Bereich der äußeren Genitalien mit schlaff herunterhängenden Schamlippen bis hin zu einem – speziell nach Schwangerschaften – überdehnten Geburtsgang. Bereits vor den Wechseljahren sind viele Frauen von trockenen Scheidenwänden, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Orgasmusstörungen betroffen. Und: Bei vielen kommt es zu Inkontinenz.

Leichte Symptome können manchmal noch mit gezieltem Beckenbodentrainig behandelt werden, bei ausgeprägteren Störungen wie zum Beispiel einer Scheidensenkung führte bisher meist kein Weg an einem invasiven Eingriff vorbei. Diese mittelgroßen Operationen sind schmerzhaft und bringen qualitativ sehr unterschiedliche Ergebnisse.

ThermiVA schließt die Lücke zwischen wenig effizientem Beckenbodentraining und Chirurgie auf verblüffend unkomplizierte Art und Weise. Benutzt werden Radiowellen, also Radiofrequenz, die das die Scheide umgebende Gewebe erhitzen. Bei Temperaturen von 40 bis 45°C zieht es sich zusammen, Gewebeflüssigkeit fließt ein und langfristig wird neues Collagen gebildet. Dazu wird ein so gar nicht sensationell aussehender, schmaler Plastikstab mit einem kleinen Fensterchen für kontrollierte Wärmeabgabe in die Scheide eingeführt.

 
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die abgegebene Frequenz und Wärme wird nicht als unangenehm empfunden, die Oberflächentemperatur ist auf 42°C begrenzt, in der Tiefe auf 45°C, dort sind keine Schmerzrezeptoren vorhanden.

 
Wie viele Sitzungen sind notwendig?
Optimal sind drei Therapien im Abstand von ein bis zwei Monaten. Das reicht für die Bildung von neuem Kollagen und der damit einhergehenden Straffung aus. Ich empfehle abhängig von der individuellen Bindegewebsqualität eine Auffrischung nach einem bis eineinhalb Jahren.

 
Wie ist die Verbesserung für die Patientin konkret spürbar?
Die Vaginalstraffung ist sofort spürbar: Belastungsinkontinenz durch Husten oder Niesen ist behoben, die Scheide enger, was zu mehr Reibung und stärkerer Empfindlichkeit beim Sex führt. Auch Darmprobleme wie häufiges Luft lassen verschwinden.
 

Gibt es nach der Behandlung eine Schonzeit oder Nebenwirkungen?
Nein, die Patientin kann noch am selben Tag mit ihrem Partner intim werden.

 
Wo wird die Behandlung bereits erfolgreich durchgeführt?
In den USA wird die Behandlung bereits seit zweieinhalb Jahren erfolgreich angewandt, in der EU ist sie seit Ende 2015 zugelassen. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten der erforderlichen Geräte gibt es in Deutschland jedoch bislang nur sechs bis zehn Praxen, die ThermiVA anbieten.
 

Können Frauen nach Geburten die Kraft ihrer Beckenboden-Muskulatur durch die sogenannten Kegel-Übungen wiederherstellen?
Ja, Beckenbodentraining ist essentiell für jede Frau, vor allem nach Schwangerschaft und Geburten. Es bleibt jedoch eine Lücke zwischen Wirksamkeit dieser Maßnahmen und einer Operation. Diese Lücke können wir mit ThermiVA schließen. Eine schlanke, sportliche Frau mit zwei Kindern kann durch Beckenbodentraining eine Verbesserung ihrer durch Geburten  geschwächte Muskulatur erfahren, Harninkontinenz und schlechtere Sexualität bleiben davon oft aber wenig beeinflusst.
 

Inwiefern kann die ThermiVA-Behandlung das Sexleben verbessern?
Mehr Kontakt und mehr Reibung verbessern die Sexualität oft dramatisch. Natürlich ist Sexualität sehr komplex und wird von vielen Faktoren beeinflusst, aber ohne Reibung geht erst einmal wenig!
 

Hat die Behandlung eine Auswirkung auf die Empfindlichkeit der Vagina?
Eine bessere Durchblutung steigert die Empfindung. Sexuelles Empfinden gemessen auf einer Analogskala von 1 bis 10, wobei  10 die Wolke 7 ist, schnellt in Feedbackgesprächen mit Patientinnen oft von 2 – 3 auf 8 – 9. Besserer Sex erhöht auch die Orgasmusfähigkeit und -frequenz der Frauen. Auch hier gilt natürlich, dass Sex vor allem im Kopf stattfindet, aber eine gesteigerte Reibung den Sex deutlich besser macht.

 
dr frank schneider-affeld

Dr. med Frank Schneider-Affeld

Ab welchem Befund empfehlen Sie Frauen die Behandlung mit ThermiVA?

Ich empfehle die Behandlung, wenn Frauen das Gefühl haben, der Sex sei trotz einer guten Partnerbeziehung schlechter geworden, häufig nach der Geburt der Kinder. Wenn die Blase bei Belastung nicht mehr ganz dicht ist und man beim Husten, Niesen oder Lachen Urin verliert. Oder wenn der Darm regelmäßig unwillentlich Luft verliert.

Zur Person
Dr. med Schneider-Affeld zählt mit zahlreichen Publikationen und internationalen Vorträgen seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten und renommiertesten Gynäkologen Deutschlands. Er lebt und arbeitet in Neumünster und unterhält Kooperationen mit der Estetica Clinik in Hamburg und der Klinik Beauty Berlin in Berlin. Dr Schneider-Affeld ist außerdem Sekretär der Gaerid (Gesellschaft für Beckenbodenchirurgie) mit Sitz in Leipzig. Weitere Infos auf www.intim-op.de