
REISE | Reise-GuideReise-Guide KorfuKorfu ist heute noch vom Geist der Kolonialzeit durchwirkt, fühlt sich da und dort italienisch, französisch oder englisch an. Aber seine Seele spricht Griechisch![]() Foto: H.-J. Ellerbrock/Bilderberg/La Phototèque/Avenue Images (3) Auf Korfu gibt es Olivenhaine so weit das Auge reicht. Es sollen 5 Millionen Bäume sein, deren Kronen sich wie ein mal silbrig, mal smaragdfarben leuchtender Schleier ausbreiten, aus dem – als hätte sich jemand dieses Muster ausgedacht – an unzähligen Stellen schlanke, dunkelgrüne Zypressen ihre Köpfe in den Himmel recken. Man denkt automatisch an die Toskana und überhaupt an Italien, wenn man durch puder- und pastellfarben getupfte Dorfstraßen streift und über Plätze, die sich mit einem Meer aus blühenden Bougainvilleen und Oleanderbüschen schmücken. Wer im kristallklaren Wasser des Ionischen Meeres baden will, findet – nur wenige Kilometer von den Hotelkomplexen des englichen Pauschaltourismus entfernt – stille, sichel- förmige Sandbuchten, in denen urige Familientavernen auf Gäste warten. Wie seinerzeit die österreichische Kaiserin Elisabeth verliebt man sich in die stille Melancholie dieses märchen- haften Niemandslands zwischen Griechenland und Italien. In das wechselvolle Naturschauspiel und vor allem in die Hauptstadt Kerkyra, die einen immer wieder magisch anzieht. Überall begegnet man den Spuren der Kolonialgeschichte. Der Eleganz der Venezianer, die imposante Herrenhäuser bauten. Dem Charme der Franzosen, die eine Flaniermeile à la Rue de Rivoli hinterließen. Und dem Spirit der Engländer, die Kricket, Marschmusik und Gingerbier auf die Insel brachten. Und ein gut ausgebautes Straßennetz, von dem alle profitieren.
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KORFU - INSEL DER POESIE
Wenn über den Dächern von Korfus Hauptstadt Kerkyra die Sonne aufgeht, präsentiert sich ihr historisches Herz wie das neorealistische Szenenbild eines Vittorio-de-Sica-Films: Am Rand der Esplanade, dieser riesigen Grünfläche, deren Freilegung im
16. Jahrhundert 2500 Häuser geopfert wurden, träumt ein Liebespaar unter einem Maulbeerbaum. Ein Radfahrer schwebt vorbei, ein Frühaufsteher nimmt in einem der Cafés unter den Arkaden seinen Stammplatz ein, zwei junge Leute mit Reisetaschen beugen sich über ihre Landkarte, um ihren Urlaubstag zu planen, während sich Myriaden von Mauerseglern von Dächern und Baumkronen stürzen, um wie jeden Tag um diese Zeit durch die Morgenluft zu zickzacken. „Eine Verschwörung von Licht, Luft, Meer und Zypressen“ nannte der englische Schriftsteller Lawrence Durrell seine geliebte Insel. Zum Bleiben und Schreiben bezog er in den 1930er-Jahren die inzwischen berühmte weiße Villa an der Nordostküste. An einer Stelle, wo sich Felsen und Klippen gegen das Meer stemmen und Autotouren ins Hinterland nur mit Vierradantrieb wirklich Spaß machen. Vor allem wenn man plant, den von dottergelbem Ginster umschmeichelten Gipfel des 905 Meter hohen Pantokrator zu erreichen. Bei klarer Sicht ahnt man im Osten die Südküste von Albanien, im Norden die Diapontischen Inselchen.