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REISE | City-Guide
City-Guide Genf
Denkt man an Genf, assoziiert man Geld. Schade. Denn die kleine Stadt ist warmherzig wie eine große Umarmung. Und sie ist fröhlich, international und – ja! – lässig
Genf - Eine Stadt mit vielen Gesichtern (Chris Close/Getty Images, Miquel Gonzalez/laif)
Blaue Stunde in Carouge (Genève Tourisme)
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GENF - DIE WELT IM DORF
Auf den ersten Blick ist sie ein Refugium der Reichen, Schmelztopf globaler Finanzmärkte und internationaler Denkfabriken. Hauptsitz der Vereinten Nationen und Sitz der Weltgesundheitsorganisation. Durch und durch diskret und ein Stückchen weit konservativ. Erst bei näherem Hinschauen entdeckt man, dass die kleine Stadt Genf eine warmherzige, fröhliche, in sich selbst ruhende Metropole ist, die wahrlich mehr zu bieten hat als nur hochkarätige Hotelsuiten in 40 Fünfsternehotels, ultramoderne Business-Center und die nobelsten Uhrengeschäfte der Welt.
Die Genfer selbst geben dafür das schönste Beispiel. Sie schippern an Bord ihrer Privatjachten zu den feinsten Gourmettempeln mit der gleichen Freude, wie sie bei schönem Wetter barfuß und ganz relaxt unter den Sonnenschirmen der nostalgischen Badeanstalt Bains des Pâquis sitzen und die hübschen Segelboote auf der Rhône, die 140 Meter in den blauen Himmel spritzende Wasserfontäne und die Silhouette der Altstadt am Rive Gauche betrachten. Klar, mit ihren Geschäftsfreunden gehen sie in Sternelokale, doch ihre wahre kulinarische Liebe gehört den kleinen Bistros und Brasserien, in denen einem der Duft von gegrilltem Entrecôte und kräftigem Choucroute das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, sich der gut gelaunte Patron gern mit einem Glas Rotwein aus dem Vaucluse zu seinen Gästen setzt und Fremde freundlich aufgenommen werden.
Die herzliche Art, auf Menschen zuzugehen, hat ihre tiefen Wurzeln in der Vergangenheit des kleinen Schweizer Kantons. Und in diesem Jahr, dem 500. Geburtstag des großen Reformators Johannes Calvin, erinnert man sich ganz besonders daran, dass Genf nicht schlecht damit gefahren ist, Heimatlosen und Verfolgten ein neues Zuhause zu geben. Calvins Nachfolger machten aus der Stadt eines der wichtigsten Handelszentren in Europa und die aus Frankreich geflohenen Hugenotten legten mit ihren ersten Privatbanken den Grundstein für den heutigen Wohlstand.