MODE VIP | Stilfragen

Kylie Minogue

Die schweren Zeiten sind Vergangenheit. Wie Phönix aus der Asche, quicklebendig, strahlend schön und verliebt, kehrt die australische Sängerin Kylie Minogue zurück – ins Leben und ins Rampenlicht


Foto: Darenote

EINE POP-GÖTTIN ZUM ANFASSEN

Kylie war eigentlich immer schon da. 1987 schaffte die Australierin, die ihre Karriere als Schauspielerin in der damals sehr beliebten Soap „Neighbours“ begonnen hatte, gleich mit ihrer ersten Single „I Should Be So Lucky“ den Sprung an die australische und europäische Chartspitze. Seitdem haben viele Menschen zu Kylie Minogue ein Verhältnis wie zu einer alten Schulfreundin, die sie alle paar Jahre treffen, um sich über den neuesten Stand in Sachen Job, Liebe und Gesundheit auszutauschen. Anders als die noch erfolgreichere und knapp zehn Jahre ältere, doch sehr viel unnahbarere Kollegin Madonna ist die freundliche Kylie der Kumpeltyp unter den Pop-Weltstars, ein Mensch zum Anfassen. Die nur 1,55 große Sängerin hat ihr Leben mit all seinen Hochs und Tiefschlägen (diverse Trennungen, Brustkrebs) nie vor der Öffentlichkeit versteckt. Ähnlich vertraut wie die Person Kylie Minogue, die uns in einer Suite im eleganten Londoner „Blakes Hotel“ gegenübersitzt, ist uns auch die Sängerin Kylie Minogue. Ihr neues, elftes Album „Aphrodite“ (Capitol), temporeicher Dancefloor-Pop, klingt angenehm eingängig wie eh und je – so als sei die Zeit spurlos an ihr vorübergegangen. Wir sprachen mit dem Star über ihre Schwächen und Stärken und darüber, was für sie Stil bedeutet.

Seit über 20 Jahren stehen Sie als Popstar an der Spitze. Was ist Ihr Geheimnis?
Ich besitze Durchhaltevermögen. Dazu kommt, dass ich mich nie habe unterkriegen lassen – weder von beruflichen, noch von privaten oder von gesundheitlichen Tiefschlägen.


Wie hat sich im Lauf Ihrer Karriere Ihr Stil als Musikerin weiterentwickelt?
Ich glaube, dass es einfach mein Schicksal ist, Popmusik zu machen. In meiner Arbeit bin ich wandlungsfähig, aber ich bin innerhalb eines gewissen Spielraums auf einen Stil festgelegt. Zugleich liebe ich neue Herausforderungen. Doch meine Wurzeln, also meine Identität als Pop-Kylie, habe ich zu keinem Zeitpunkt verleugnet.


Für viele gelten Sie als Fashion-Ikone, wie sehen Sie sich selbst?
Weitaus schizophrener. Ich denke manchmal, das Leben wäre viel unkomplizierter, wenn ich nur einen einzigen, klar definierten Look hätte.


Wer hat den Ihrer Meinung nach denn?
Tom Ford hat so einen glasklaren, unverkennbaren Stil. Auch Victoria Beckham hat ihren Look in den vergangenen Jahren richtig aufpoliert und herausgearbeitet. Ich dagegen hätte keine Lust, jeden Tag gleich herumzulaufen. Damit würde ich mich unnötig beschränken. Ich wüsste auch gar nicht, welcher Stil das sein sollte.


Wieso das?
Weil ich Vielseitigkeit mag – in meinem Kleiderschrank genauso wie in meinem Leben. Ich mache nicht jeden Tag die gleichen Dinge. Was in mancherlei Hinsicht problematisch ist, denn diese Charaktereigenschaft macht mich nicht gerade zu dem verlässlichsten Menschen. Ich kann mich zum Beispiel nicht gut langfristig verabreden – bis zum Termin kämen bestimmt zig andere Dinge dazwischen. Die positive Seite ist: Ich bin sehr spontan.


Was bedeutet Ihre Spontaneität in Bezug auf Mode?
Das bedeutet, wenn wir uns morgen hier träfen, hätte ich garantiert etwas ganz anderes an. Keine Designerjeans mehr, sondern vielleicht ein Businesskostüm. Oder ein Hippiekleid. Was ich anziehen will, entscheide ich immer erst morgens vor dem Kleiderschrank.


Was ist Ihre letzte wirklich gute Modeanschaffung?
Ich habe mir in New York ein paar herrliche Vintage-Teile gekauft. Am liebsten trage ich einen bodenlangen Hippierock. Ich stelle mir dabei gern vor, wie ich damit barfuß durchs hohe Gras laufe. Mein Kreativdirektor William Baker schimpft immer mit mir, wenn ich so etwas anhabe. Dann sagt er „Zieh den verdammten Baumwolllappen aus! Du bist ein Popstar!“ Aber ich liebe dieses Schlabberteil. Okay, dafür ziehe ich am nächsten Tag genauso gern mal wieder ein enges Top und einen kurzen Rock an. Das mag ich auch, und William ist wieder glücklich.


Ich wusste ja gar nicht, dass Sie so ein Hippie sind!
Aber hallo. Ich bin Australierin, das dürfen Sie nicht vergessen. Ich fühle mich zum Beispiel auch superwohl in meinen ollen Birkenstock-Latschen.


Wie relaxen Sie sonst am liebsten?
Wahrscheinlich so ähnlich wie die meisten anderen Menschen, die ein faules Wochenende verbringen. Ich liege im bequemen Jogginganzug auf der Couch, mein Freund besorgt leckere Tapas vom Restaurant um die Ecke, und wir gucken uns irgendeinen albernen Film an.


Sie sind seit zwei Jahren mit dem spanischen Model Andrés Velencoso Segura zusammen. Gibt es Lieder auf ihrem Album „Aphrodite“, die direkt von Ihrem Partner handeln?
Als ich mit meinem Produzenten Stuart Price an „Looking for an Angel“ arbeitete, besorgten wir uns als Inspiration den Film „Barbarella“, in dem ja unter anderem auch der Engel Pygar mit seinen wunderschönen großen Flügeln vorkommt. Ich stellte mir dann die ganze Zeit vor, Andrés sei Pygar und ich bin Barbarella.


Aphrodite ist unter anderem die Göttin der Schönheit, der Liebe und der Lust. Fühlen Sie sich denn wie Aphrodite?
Vielleicht tauge ich eher als Liebesbotin. Ich bin überzeugt, dass sich schon viele Paare gefunden haben, während sie meine Musik hörten. So ganz unsexy sind meine Songs ja nicht. Obwohl, wenn ich mir das jetzt so klarmache, bin ich dann wohl eher eine Art musikalisches Aphrodisiakum.


Zurück zum Thema Göttin. Das Album heißt „Aphorodite“. Bedeutet das, dass Sie sich gerade sehr stark und selbstbewusst fühlen?
Also, ich würde den Titel und das ganze Konzept jetzt nicht sooo wörtlich nehmen. Allerdings bin ich zurzeit wirklich guter Dinge. Ich sehe das Leben entspannt und positiv und fühle mich wohl.


Welche Musik hören Sie selbst momentan am liebsten?
Jónsi. Das ist ein Isländer, der Sänger der Gruppe Sigur Rós. Seine Musik macht mich, hach, sie bringt mein Herz richtig zum Schlagen. Ich höre mir wirklich ständig diese Platte an.


Wer ist für Sie die größte Stilikone, die Sie persönlich kennen?
Da fällt mir sofort Karl Lagerfeld ein. Ich war einmal in seinem Haus in Biarritz eingeladen. Überall Bücher. Ich bewundere, dass er die Mode liebt, aber nicht ausschließlich für die Mode lebt. Ich bewundere seine Klugheit und Leidenschaftlichkeit.


Haben Sie sonst noch Stilvorbilder?
Natürlich Marilyn Monroe. Und dann Brigitte Bardot.


Sie tragen wieder Hotpants. Haben Sie Ihren Frieden mit diesem Kleidungsstück gemacht?
So kann man es ausdrücken. Vor zehn Jahren, als ich in meinem Video zu „Spinning Around“ in Hotpants auf einer Theke tanzte, war es mein Po, der den Großteil der Aufmerksamkeit abbekam. Danach habe ich ein wenig gegengesteuert. Mittlerweile habe ich meinen Frieden mit den kurzen Höschen gemacht, würde aber nicht noch einmal so ein Video drehen wie damals.


Im Clip zu ihrer aktuellen Single „All the Lovers“ werden Sie von zahlreichen halbnackten Männern umschwärmt ...
...es sind nicht nur Männer, es sind auch Frauen dabei. Ich finde das Video sehr sinnlich.
Ja, es wimmelt vor Menschen in weißer Unterwäsche. Aber es ist auch ein sehr zarter, zurückhaltender Clip, der von der Chemie der Liebe und von der Leidenschaft in seiner liebenswürdigsten Form handelt.


Stichwort Liebe: Sie und ihr Partner Andrés sollen erst nur eine Affäre gehabt haben, aus der erst später Liebe wurde.
Das Leben verläuft gelegentlich in mysteriösen Bahnen, finden Sie nicht? Man weiß nicht immer, wie und warum die Menschen zusammenfinden. Die Liebe steht in den Sternen, und das macht sie immer wieder so aufregend. Wenn wir ständig die Kontrolle über unser Leben bewahren, entgehen uns viele spannende Erlebnisse und Begegnungen. Und ich liebe neue Erfahrungen, auch wenn manche davon schmerzhaft sind. Ich brauche Stimulanz in meinem Leben.


Eine Erfahrung, auf die Sie sicher gern verzichtet hätten, war Ihre Brustkrebserkrankung vor einigen Jahren. Hat Sie der Sieg über den Krebs stärker gemacht?
Auf jeden Fall. Die Chemobehandlung war die Hölle, darüber möchte ich auch gar nicht sprechen. Aber aus dieser Hölle aufzusteigen, das Leben wieder genießen zu können, das war ein großartiges Gefühl. Heute unterstütze ich mehrere Wohltätigkeitsorganisationen zu diesem Thema, wie die „Fashion Targets Breast Cancer“-Kampagne. Ich war damals dankbar, dass ich Frauen kennenlernen konnte, die überlebt hatten, und die mir Mut zusprachen. Diese Art von Ermutigung möchte ich weitergeben.


Haben Sie nach der Krankheit Ihr Leben geändert? Treiben Sie beispielsweise mehr Sport?
Sport ist ein wunder Punkt bei mir. Ich sollte mehr machen, aber ich bin ein bisschen bequem. Dazu kommt das, was ich vorhin schon ansprach – ich schätze die Routine nicht besonders. Ich bin kein Mensch, der jeden Mittwoch um Punkt neun auf der Matte steht, um Sport zu treiben. Oder der nach dem Aufstehen gleich ins Fitnessstudio läuft. Was mir Spaß macht, ist Golf- spielen. Und im Winter fahre ich Snowboard. Okay, wenn ich in einem Hotel bin, schaue ich mir dort schon mal das Gym an und gegen Pilates habe ich auch nichts. Aber ein Fitnessfreak wird aus mir nicht mehr.


Wie achten Sie sonst auf Ihren Körper?
Regel Nummer eins: Ich meide die Sonne. Ohne Sunblocker, Hut und Sonnenbrille gehe ich im Sommer nicht vor die Tür. Das ist umständlich und nervt manchmal. Aber meine Haut dankt es mir. Zusätzlich sind mir natürlich auch die vielen kleinen Tricks und manche hervorragende Produkte bekannt, die uns Frauen dabei unterstützen, ein bisschen frischer auszusehen.


Ihre jüngere Schwester Dannii ist gerade Mutter geworden und möchte heiraten. Wie sieht’s bei Ihnen aus?
Ich bin froh, dass Dannii mir gerade diese Last von den Schultern nimmt. Das ist anstrengend, immer wieder nach seiner Familienplanung befragt zu werden. Andrés und ich haben derzeit jedenfalls keine Heiratspläne. Er müsste mich sowieso erst mal fragen.


Falls es soweit sein sollte – wer sollte Ihr Hochzeitskleid schneidern?
Ich war nie eine dieser Frauen, die sich ihre Hochzeit ausgemalt haben. Aber wenn Sie auf einer Antwort bestehen: Coco Chanel.

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