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Kochschulen im Test

Dieses Mal: mediterrane Küche im „Sprachcaffe Kalabrien“ in Santa Domenica di Ricadi. Plus Sprachkurs


Unser Koch Enzo (3. v. links) – Foto: PR


Das Menü ist geglückt: fröhliche Runde der Kocheleven – Foto: PR


Der Privatstrand des Hotels „Villaggio Stromboli“ in Santa Domenica di Ricadi – Foto: PR


Beim Pastakochen: Brigitte Nennhuber, Assistentin der Chefredaktion – Foto: PR


Alles selbst gemacht: ausgebackene Zucchiniblüten – Foto: PR


Mediterrane Romantik: der Garten des „Villaggio Stromboli“. – Foto: PR

ITALIEN L(I)EBEN

cucina italiana
Wie auf Kommando drehen sich die Köpfe meiner Mitstreiter zu mir, acht Augenpaare sind wie Spots auf mich gerichtet. Ich weiß, was sie denken: Bitte nicht schon wieder! Was will sie denn jetzt wissen? Dabei möchte ich von unserer Italienischlehrerin nur erklärt bekommen, was es heißt, Spaghetti „al ginocchio“ zu kochen.

Klar, für viele Schüler unseres Konver- sationskurses sind kulinarische Voka- beln nicht wichtig – für mich schon. Nicht zuletzt deshalb bin ich hier. Schon als junges Mädchen war mir beim Versuch, italienische Songtexte zu übersetzen, schnell klar, dass es nicht reicht, Wörter vom Papier zu lernen. Man muss in die Sprache eintauchen, sie fühlen, riechen und schmecken.

Das „Sprachcaffe Kalabrien“ in Santa Domenica di Ricadi bietet nicht nur aufs individuelle Niveau abgestimmte Sprachkurse an, sondern auch (unter- schiedliche) Kochkurse. Ich habe mich für beides entschieden und damit für ein ziemlich strenges Programm: Vor- mittags übe ich mich in Konversation über italienische Kultur, nachmittags in der Zubereitung mediterraner Gerichte. Eine perfekte Synergie!

Einzig schade, dass ich so wenig Zeit habe, die Schönheit dieser Gegend zu genießen. Allein schon der wildroman- tische Weg von meinem Zimmer im „Villaggio Stromboli“ durch die Hotel- anlage ist bezaubernd. Da liebkosen tapfer riesige Hibiskusblüten bizarr geformte Kakteenarme, mächtige Palmwedel breiten sich schützend über die gepflasterten Wege, zwischen deren Ritzen Minipalmen wie Unkraut wach- sen. Fast unbemerkt spitzen Bunga- lows, Terrassen oder Häuschen durch die Bäume. Schulleiter Rosario zaubert zusammen mit seiner Frau Silvia eine familiäre Atmosphäre, die den Teil- nehmern das Gefühl einer vertrauten Gemeinschaft gibt. Die Schule ist ein- gebettet in einen entzückenden Park mit Orangen- und Zitronenbäumen. Dort lebt auch das Hausschwein Ugo, das von unserem Kochlehrer Enzo mit Essensresten versorgt wird.

Enzo ist Sizilianer und ausgebildeter Koch, der trotzdem behauptet, Kochen von „Mamma“ gelernt zu haben. Heute gibt es Arancini, gefüllte Pilze, aus- gebackene Zucchiniblüten und frische Fileja, die kalabrischen Nudeln ( zu den Rezepten »).

Bevor wir mit der Zubereitung beginnen, entdecke ich das erste Geheimnis der italienischen Küche: Tomatensugo, den wir aus Tomaten, Zwiebeln und Basili- kum frisch zubereiten, muss immer auf dem Herd stehen – zum Würzen und Verfeinern verschiedenster Gerichte. Und während wir gemeinsam schnei- den, hobeln und kneten, erfahre ich weitere Tricks: etwas Zucker in der Tomatensoße nimmt den Tomaten die Säure, gehobelte Zwiebeln reizen die Schleimhäute der Augen nicht, mit dem Messer gehackter Knoblauch ist inten- siver als zerdrückter, Safran macht den Pastateig geschmeidig?... Als mir letz- terer dann trotzdem nicht so geschmei- dig gelingen will, schaut mir Enzo tief in die Augen und sagt: „Pazienza! Non strapazzare l’impasto! Con la forza distruggi tutto!“ Ich verstehe. Frei übersetzt heißt das: „Geduld ist die halbe Miete.“ Er lässt mich den Teig so lange kneten – sanft und liebevoll –, bis die Arme schmerzen. Das Ergebnis: perfetto! Das jedenfalls meinen uni- sono die anderen Kocheleven, als wir im mondlichtbeschienenen Garten bei einem Glas Wein unser Menü genießen.

Übrigens: Spaghetti „al ginocchio“ bedeutet, dass sich die Nudeln nach dem Kochen „wie ein Knie beugen“ – damit sind sie bissfester als „al dente“ und garen später in der Sauce fertig. Ein toller Tipp, wenn man auf die Gäste warten muss.

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