
LIFESTYLE | FoodKochschulen im TestDieses Mal: „Italienisch singen und kochen“ – Genuss-Multitasking in der Toskana![]() Schauplatz des Musik- und Kochseminars: das Castello di Proceno ![]() Präzisionsarbeit: MADAME-Vize Heike Haag filetiert Seezunge unter Anleitung von Maestro Gianni ![]() Appetizer: Olive in crosta ![]() Mit Gefühl: Tibby Plyler am Piano ![]() Mit Geduld: Pastaherstellung
MEHR KOCHSCHULEN IM TEST
IM SÜSSEN PARADIES DIM-SUM-KLASSIKER KÖSTLICHES MIT KÄSE LA CUCINA È NOBILE EIN DINNER FÜR FRAUEN „TWO IN ONE“-WORKSHOP FISCHE UND MEERESFRÜCHTE EIN STERNE-FISCHMENÜ |
LA CUCINA È NOBILE
Fnü. Fnü ... Ich schlendere frühmorgens durch die verschlafene Burganlage Procenos und imitiere einen Chihuahua-Niesanfall, so jedenfalls hört sich die von Donna Woodward empfohlene Stimmübung an. Es ist der dritte Tag meiner Seminarwoche „Tafeln à la Rossini“, die im historischen Castello di Proceno nahe Orvieto stattfindet. Verwun- schene Gärten, ein hübscher Pool, nett eingerichtete Burgzimmer mit grandiosen Ausblicken auf die malerische Landschaft bilden den Schauplatz für mein Musik- und Kochseminar. Ich bin ziemlich gefordert bei den anspruchsvollen Lektionen der ameri- kanischen Dozentinnen. Donna Woodward,
Profi-Sopranistin mit eigenem Studio, und Sylvia „Tibby“ Plyler, Professorin für Kor- repetition, sind ein eingespieltes Team und erteilen uns neun ambitionierten Hobby- musikern täglich jeweils eine Unterrichts- einheit. Bei Donna steht die Gesangstechnik im Vordergrund, mit Tibby seziere ich jede Silbe meiner schon zu Hause vorbereiteten Arien – mit zum Teil unkonventionellen Hilfsmitteln: Am Ende der Woche kann ich mich bei „Lascia ch’io pianga“ auf einer Art Gummiband-Akkordeon quasi selbst begleiten.
Der kulinarische Teil, die Kochschule mit authentischen Lieblingsrezepten italienischer Komponisten, bildet das Extra des Programms des Spezialveranstalters Musica Viva, den man an zwei Nachmittagen optional dazubuchen kann. Profikoch Gianni unterstützt Burgherrin Cecilia, die uns zu Beginn der Kochsession eine von ihr persönlich entzückend gestaltete Rezeptsammlung überreicht.
Wir haben uns zu viert für den Kurs entschie- den und stehen tatsächlich in der privaten Küche des Castellos, in dem man übrigens auch, ohne Kurse zu buchen, Urlaub machen kann (www.castellodiproceno.it). Wir be- wundern das Sammelsurium an teilweise historisch anmutenden Küchenutensilien und stimmen uns mit einem feinen Crémant auf die Menüvorbereitung ein. Ich mache mich an die Vorspeise und umhülle unzählige Oliven mit einem buttrigen Käseteig. Das dauert. Diesen Riesenaufwand bewältigt unsere Gastgeberin sonst allein? Cecilia lacht – sie bereitet Massen dieser Delikatessen in Ruhephasen vor und friert sie einfach portionsweise ein. „Dann kommen sie perfetto gekühlt aufs Backblech und zerlaufen nicht.“ Es folgen Parmesanterrine auf Salat mit Chilifäden, See- zungenfilet à la Rossini in einer Weinsauce mit Gänseleber und Trüffelspänen, als Dessert bereiten wir Semifreddo al Cointreau zu. Trotz meiner Vollbeschäftigung in der Oliven- manufaktur überblicke ich jeden einzelnen Arbeitsschritt meiner Mitköche und kann beim gelungenen Menü – wir haben an diesem Abend die Verköstigung aller Mit-Sänger übernommen – Auskunft über alle Details geben. Das überzeugt, und so trifft sich tags darauf eine neu gemischte Kochgruppe und nimmt die Herausforderung an, das voran- gegangene Dinner mit einer ebenso köstlichen Komposition zu übertreffen. Ich bin wieder dabei und lerne die Zubereitung eines weiteren Appetizers: Kapernäpfel im Frischkäsemantel mit geriebenem Parmesan. Köstlich zart!
Die Krönung jedoch ist das Abschlusskonzert. Wir sind selbst von unserer Leistung beein- druckt und berührt. Unglaublich, wie effektiv die professionelle Unterstützung uns in wahre Vortragskünstler verwandelt hat. Zu Hause mache ich die Probe aufs Exempel und bitte meine Freunde zu „Tafeln à la Rossini“ inklusive Gesangseinlage. Ihr Urteil: ganz große Oper!
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