KULTUR | Special Lesen

Literatur lieben und (er)leben!

Passend zur Buchmesse in Leipzig: ein besonderer Spaziergang durch die Stadt mit Adress-Guide. Plus: die feinsten Verlage und Buchhandlungen, die spannendsten Neuerscheinungen

DRUCKFRISCH: SPANNENDE NEUERSCHEINUNGEN


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SUBTILE MISSVERSTÄNDNISSE

Ihre hinreißend komischen Romane handeln oft von ihr selbst: In „Biographie des Hungers“ (Diogenes, 2009) erzählt die im japanischen Kõbe geborene belgische Diplomatentochter Amélie Nothomb von ihrer Kindheit in Fernost. Im neuesten Buch, „Der japanische Verlobte“ (Diogenes, 18,90 Euro), beschreibt sie verwirrende interkulturelle Erfahrungen, als sie nach dem Studium in Europa in einem Konzern in Tokio arbeitet und die Irrungen und Wirrungen der ersten Liebe erlebt. Witzige „Völkerkunde“.


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BEKLEMMEND

Ein geachteter Kritiker will sich als Essayist beweisen, schreibt im Ost-Berlin des Jahres 1961 und gerät in die Fänge des Machtapparates der jungen DDR kurz vor dem Mauerbau. Mit „Kennung“
(Aufbau, 19,95 Euro) ist Hermann Kant, Expräsident des Schriftstellerverbandes der DDR, eine brisante, zuweilen groteske Künstlermilieustudie gelungen, die Arroganz und Absurdität einer diktatorischen Staatsmacht entlarvt.


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SINNLICHE ROMANZE

Mit dem Ballett „Frühlingserwachen“ macht Komponist Igor Strawinsky in Paris Furore, Coco Chanel mit der Erfindung des kleinen Schwarzen und des Dufts „Chanel Nr. 5“. Um die Liebe des Musik- und des Modegenies geht es in Chris Greenhalghs hoch spannendem Roman „Coco Chanel & Igor Strawinsky“
(C. Bertelsmann, 22,95 Euro). Der Autor schrieb auch das Drehbuch zum gleichnamigen Film (Kinostart: 15.4.).


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FURIOS

Der Romanheld des kongolesischen Autors Alain Mabanckou in „Black Bazar“ (liebeskind, 19,80 Euro) ist auch ein Maulheld, der sich rühmt, von der Form der vier Buchstaben jeder Frau auf deren Charakter schließen zu können. Klar, dass es beim Bar-Talk in der Immigrantenwelt des 1. Pariser Arrondissements hoch hergeht. Eine hinreißende neue Stimme!


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SEHNSUCHTSTORY

Sein Debütroman „Die Geliebte des Gelatiere“ (weissbooks.w, 2009) war ein echter Sommerhit. Mit „Rot wie die Nacht“ (weissbooks.w, 17,90 Euro) legt der Schweizer Daniel Zahno einen bezaubernden, einfühlsam und elegant geschriebenen Folgeroman vor: Ein Flirt im Zugabteil wird zur leidenschaftlichen, kaum lebbaren Liebesaffäre in einer diffizilen Dreieckskonstellation.


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GANZ NAH DRAN

„Eine Geschichte meiner Nerven“ lautet der Untertitel zu Siri Hustvedts bisher persönlichstem Buch „Die zitternde Frau“ (Rowohlt, 18,95 Euro). Sie seziert sich selbst, ihre Biografie, ihre Psyche, rastlos auf der Suche nach dem Grund plötzlicher Schüttelkrämpfe, von denen sie seit dem Tod des Vaters attackiert wird. Keine Nabelschau, sondern eine faszinierende Analyse ihrer Berührungs-Synästhesie, jenem Syndrom, bei dem man am eigenen Leib spürt, wenn jemand anderes berührt wird oder Schmerzen hat. Ein Buch, das echt unter die Haut geht.

BAD BOYS & DIE FINANZBLASE

Skurril und englisch-exzentrisch wie schon seine Bücher „Lachsfischen im Jemen“ und „Bordeaux“ ist Paul Tordays neuester Schelmenroman „Charlie Summers“ (Berlin Verlag, 22 Euro).

TRAGIKOMISCH

Ein Meister der Kurzgeschichte, der an O. Henry oder Guy de Maupassant erinnert, ist der 1951 verstorbene Südafrikaner Herman Charles Bosman. Jetzt erscheint sein Werk erstmals auf Deutsch. Die schrägen Storys in „Mafeking Road“ (Edition Büchergilde, 19,90 Euro) verdichten und überzeichnen die recht absonderlichen Begebenheiten in einer Kleinstadt im Transvaal zu einer ganz eigenen literarischen Welt.

EINE ECHTE TROUVAILLE

Einer ihrer Verlobten war Antoine de Saint-Exupéry, ihr Lebensgefährte André Malraux, enge Freunde waren Jean Cocteau und Charles de Gaulle: Louise de Vilmorin (1902–1969), von der bereits im Vorjahr der Roman „Liebesgeschichte“ neu übersetzt wurde, erweist sich auch mit „Julietta“ (Dörlemann, 19,90 Euro) als Grande Dame des Gesellschaftsromans à la française.

BIS(S) ZUM NIEDERKNIEN

Der momentanen Vampir-Manie begegnet der Kalifornier Michael Thomas Ford in „Jane beißt zurück“ (Heyne, 14 Euro) mit intelligent-bissiger Ironie: Er lässt Jane Austen 1817 ihren Tod vortäuschen, um zusammen mit Lord Byron, dem romantischen Liebhaber, der sie dereinst in einen Blutsauger verwandelt hat, durch beider literarische Werke zu irren. Köstlich!

FESSELND

Über das Hudson Valley bei New York fegen Schneewolken und gleichzeitig wird das beschauliche Kleinstadtleben zweier Paare kräftig durcheinandergewirbelt: In Scott Spencers Roman „Während des Sturms“ (btb, 21,95 Euro), der in den USA für den renommierten „National Book Award“ nominiert wurde, geht es um die große Passion zweier nicht miteinander, jedoch verheirateter Menschen, die auch von Klassen- und Rassenkonflikten belastet wird. Ein großartiges Buch über die Liebe als Naturgewalt.

DRAMATISCH

Aus sechs Perspektiven beleuchtet Jay Parini in „Ein russischer Sommer – Tolstojs letztes Jahr“ (C.H. Beck, 14,95 Euro) kaleidoskopartig die widersprüchlichen Forderungen und Wünsche, mit denen sich der große Literat kurz vor seinem Tod konfrontiert sah. Wunderbare Hintergrundlektüre für den gleichnamigen Film (jetzt im Kino) mit Christopher Plummer und Helen Mirren als Graf und Gräfin Tolstoj. Wie auf der Leinwand fungiert auch im Buch das Landgut Jasnaja Poljana als stimmungsvoller Rahmen. Grandios!


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