KULTUR | Literatur

Buch-Tipp

Ums leben laufen


Joshua Ferris



„Ins Freie“ / Luchterhand

Joshua Ferris’ Romanheld Tim Farnsworth leidet unter einer stark überzeichneten Variante des „Rest-less Legs“-Syndroms. Er ist machtlos, wenn eine Attacke kommt, und gezwungen, tage-, wochen-, monate-, gar jahrelang über Land zu laufen, bis er zusammen- bricht und vor Erschöpfung in koma- artigen Tiefschlaf fällt. Eine furchtbare Bürde, auch für seine Frau und die Tochter. Beklemmend und zutiefst beeindruckend, mit welcher Sprach- gewalt der 35-jährige Schriftsteller in „Ins Freie“ (Luchterhand, 19,95 Euro) den Kampf ums Menschbleiben schildert.

Wie Susan Sontag in ihrem berühmten Essay sehe er „Krankheit als Metapher“, erklärt Joshua Ferris. Auch als Kultur- kritik, denn seine Figur eines Star- anwalts im Manhattan von heute ist ein unbarmherzig im Rad getriebener Hamster. „Ich finde es im höchsten Maße widernatürlich, täglich zwölf Stunden und mehr im Büro zu verbringen“, meint Ferris. Gleichzeitig schwingt in seinen Werken auch immer der naturverbundene Transzendentalismus von US-Literatur- ikonen wie Walt Whitman, Henry David Thoreau oder Ralph Waldo Emerson mit. Schon sein Debütroman „Wir waren unsterblich“ (rororo, 2007, 12 Euro) über eine Werbeagentur machte Furore und wird gerade verfilmt. Der in Illinois und Florida aufgewachsene Autor schreibt meist zurückgezogen in einem alten Haus im idyllischen Hudson Valley nördlich von New York, manchmal auch in der Wohnung in Brooklyn, in der er mit seiner Frau Elizabeth Kennedy, einer Anwältin, und dem knapp ein Jahr alten Sohn lebt. Übrigens alles immer erst mit der Hand: „Ein blinkender Cursor lässt mich nervös werden, ein unbeschriebenes Blatt dagegen mental ganz bei mir sein“, erklärt Joshua Ferris.

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