Schlafen: So klappt es mit der Nachtruhe

Albert Einstein soll Zeit seines Lebens elf Stunden geschlafen haben, Napoleon hingegen nur drei. "Wenn er ausgeschlafen hätte, hätte er wohl Waterloo nicht verloren", lacht Dr. Hans-Günter Weeß. Wir haben mit dem Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin gesprochen: Wie viele Stunden sollte man eigentlich schlafen? Und mit welchen Tricks kann man besser einschlafen?

Besser einschlafen
Madame.de: Wie viel Schlaf braucht man im Durchschnitt?
Dr. Hans-Günter Weeß: Für uns Schlafforscher ist es egal, wie lange jemand geschlafen hat. Vielmehr ist entscheidend, wie sich jemand nach dem Aufstehen fühlt. Ist er ausgeschlafen, fit, leistungsfähig, emotional ausgeglichen? Dann war es genügend Schlaf - seien es drei, oder elf Stunden. Dennoch: 75 Prozent der Deutschen schlafen zwischen sechs und acht Stunden.
Ich kann nicht schlafen - warum?
Ich kann nicht schlafen - warum?

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Zu welcher Uhrzeit sollte man am besten ins Bett?
Von unserer Chronobiologie her, also dem Schlaf-Wach-Rhythmus, würden wir gerne zwischen 24 und ein Uhr ins Bett. In dieser Zeit können wir im Durchschnitt am besten einschlafen. Morgens würden wir am liebsten zwischen acht und neun Uhr aufstehen. Allerdings haben wir in unserer Gesellschaft andere soziale Anforderungen und Zeiten, es heißt immer: "Der frühe Vogel fängt den Wurm!" Mit unserer inneren Uhr stimmt das nicht überein. Während der Arbeitswoche neigen wir also zu Schlafmangel, den wir am Wochenende zu kompensieren versuchen. Von Sonntag auf Montag schläft daher ganz Deutschland am schlechtesten.

Wie viele Menschen schlafen konkret schlecht?
Der Anteil der Menschen, die schlecht schlafen und aufgrund ihrer Probleme einen Allgemeinarzt aufsuchen, liegt bei etwa 25 Prozent seiner Patienten. Schlafstörungen neigen dabei sehr dazu, chronisch zu werden. Wir wissen auch aus Studien, dass unbehandelte Schlafstörungen ein höheres Risiko für gesundheitliche Konsequenzen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, aber auch psychische Störungen, wie etwa Depressionen oder Angststörungen, mit sich bringen. Deswegen sollte man Schlafstörungen rechtzeitig und effektiv behandeln.

Dr. Hans-Günter Weeß

Dr. Hans-Günter Weeß ist Leiter des Schlafzentrums des Pfalzklinikums.

Was bedeutet schlecht schlafen genau?
Der Grenzwert ist dann erreicht, wenn jemand mindestens dreimal pro Woche schlecht ein- oder durchschläft - und das über eine Zeitraum von vier Wochen. Dann fangen wir an, von einer Schlafstörung zu sprechen. Schlafstörungen stellen inzwischen eine Volkskrankheit dar. Wir gehen davon aus, dass ungefähr sechs Prozent der Bevölkerung an behandlungsbedürftigen Ein- und Durchschlafstörungen leiden. Diabetes hat im Vergleich dazu eine Häufigkeit von etwa zwei Prozent.

Warum schlafen viele Menschen schlecht?
Jegliche Gedanken, die in der Einschlafsituation mit dem Alltag zu tun haben, führen zu Anspannung. Diese Anspannung ist der Feind des Schlafes. Das nächtliche Grübeln, das Nichtabschaltenkönnen ist der Einschlafkiller Nummer eins. Nummer zwei, so paradox es auch klingt, ist die Absicht der Menschen, schlafen zu wollen. Denn: Wer schlafen will, bleibt wach!

Wie kann man besser einschlafen?
Wir können immer nur dann schlafen, wenn wir uns völlig entpflichten, wohlfühlen, entspannt sind. Dann kommt der Schlaf, wenn wir ausreichend lange wach waren, von alleine. Natürlich können wir auch mit unserem Verhalten ein besseres Einschlafen erzielen, sei es mäßiger Alkoholgenuss vor dem Zubettgehen, keine allzu schweren Mahlzeiten mehr am Abend oder die Verbannung jeglicher Alltagsgegenstände aus dem Schlafzimmer, die zum Beispiel an die Arbeit erinnern. Besondere Vorsicht ist übrigens bei Schlafmitteln geboten: Auch wenn wir davon ausgehen, dass täglich 300.000 Menschen Schlafmittel benutzen - aktuelle Studien konnten zeigen, dass bereits die Einnahme von 18 Schlaftabletten pro Jahr die Lebenserwartung drastisch verkürzen kann.