Ceci n'est pas une maison

Ein Künstler schifft ein verlassenes Haus von Detroit nach Rotterdam - und versetzt damit die Kunstwelt in Aufruhr. Die Dokumentation "Coming Home: the road to hell is paved with good intentions" zeigt die Geschichte hinter Ryan Mendozas kontroversem Projekt.

Ein Stück Identität
Der US-Amerikaner Ryan Mendoza lebte schon seit über 20 Jahren in Europa, als er sich 2015 entschloss, in die alte Heimat zurückzukehren und ein Stück Amerika mit nach Hause zu bringen. Was eigentlich ein Akt der Verbundenheit werden sollte, wurde unwillentlich zu einem soziopolitischem Statement: Als Mendoza in Detroit ein verlassenes Haus ausfindig machte um es nach Europa zu bringen, ahnte er nicht, in was für ein politisches Wespennest er sich gesetzt hatte.
The White House von Ryan Mendoza

The White House von Ryan Mendoza


#theamericandreamisalie
In den 50er Jahren noch boomende Motor City und Heimat von Motown, heute eine Geisterstadt mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten und Kriminalitätsraten der USA: Detroit ist für viele das Symbol für den Aufstieg und bitteren Niedergang des American Dream. Seit den goldenen Zeiten in den 50ern hat sich die Statdbevölkerung von 1,8 Mio. Einwohner auf 713.000 (2010) halbiert. Ganze Straßenzüge sind verlassen, die bankrotte Stadtverwaltung lässt komplette Viertel abreißen, um Versorgungskosten zu sparen. Mit knapp 83 Prozent Afroamerikanern ist Detroit eine der größten schwarzen Communitys der USA.
Das Haus aus Detroit wird in Rotterdam aufgebaut

Das Haus aus Detroit wird in Rotterdam aufgebaut


Dass ein weißer Künstler nun eines dieser verlassenen Häuser nach Europa schiffen und als objet d'art ausstellen wollte, gefiel nicht jedem. Mendoza wurde vorgeworfen, sogenannten "ruin porn" und "Armutstourismus" zu betreiben und den Verfall dieser einst so großen Stadt zu romantisieren und auszubeuten.

Mendoza selbst erklärt, dass er mit "The White House" ein Stück amerikanische Geschichte konserviert und vor der Zerstörung rettet. "Wenn man es grob vereinfacht, handelt es sich um Ausbeutung. Wenn man aber genauer hinschaut, geht es um Verbindung. Als Künstler kann ich zwei Dinge machen, nachdem ich in mein Heimatland zurückgekehrt bin und die grundlegenden Gesellschaftsprobleme gesehen habe: Ich kann sie ignorieren oder ich kann sie aufgreifen. Ich habe mich dafür entschieden, sie aufzugreifen."

Als das "White House" im Februar bei der Art Rotterdam ausgestellt wurde, projizierte Mendoza alte Fotos von seiner Familie zusammen mit Familienfotos des alten Besitzers Vincent Thomas auf einen Screen. "Ich wollte meine Familienerinnerungen mit denen der Thomas-Familie zusammenführen und so eine Verbindung herstellen, die vorher nicht existiert hat."
Filmszene: Der ehemalige Hausbesitzer Vincent Thomas und Künstler Ryan Mendoza

Filmszene: Der ehemalige Hausbesitzer Vincent Thomas und Künstler Ryan Mendoza


Der ehemalige Besitzer Vincent Thomas konnte 2012 seine Steuern nicht bezahlen und musste mit seiner Familie das Haus verlassen, in dem er als Kind aufgewachsen war. Gregg Johnson, ein Freund von Mendoza erwarb das Haus und spendete es an das Projekt. Vincent Thomas findet es gut, dass jemand etwas mit seinem alten Haus macht und hofft, dass Mendozas außergewöhnliches Kunstprojekt einen positiven Effekt für Detroit hat.

Die projektbegleitende Dokumentation Coming Home: the road to hell is paved with good intentions (Regie: Fabia Mendoza) wird vom 31. März bis 3. April auf dem Free Press Filmfestival in Detroit gezeigt.