Natasha Poly: Zehn Fragen an das Supermodel

Sie ist das Gesicht der neuen "Mercedes Benz"-Kampagne für die Fashion Week 2016 in Berlin: das russische Supermodel Natasha Poly. Im Interview verrät uns die 30-Jährige, welche Momente ihrer bisherigen Modelkarriere ihr besonders in Erinnerung geblieben sind, was sich seit der Geburt ihrer Tochter verändert hat und wie die Modebranche inzwischen durch Social Media geprägt wird.

Natasha Poly

Das russische Supermodel Natasha Poly ist der Star der neuen Fashion Kampagne von Mercedes Benz

Latex dürfte eines der ungewöhnlicheren Outfits sein, die Sie je getragen haben - wie fühlte sich das an?
Es war ein bisschen schwierig, damit zu laufen, denn das Outfit war sehr figurbetont und lag hauteng an meinem Körper. Man konnte keine schnellen Bewegungen damit ausführen. Das Hauptproblem war allerdings, dass es am Tag des Shootings in Miami 28 Grad hatte - und wir drehten auf einer Freifläche. Latex wurde sicherlich nicht dafür gemacht, um in einem so heißen Umfeld getragen zu werden.

Was mögen Sie lieber: Catwalk oder Kampagnen?
Ich finde beides großartig. Wenn man im kompletten Fashion Monat mit New York, London, Mailand steckt, kann es aber schon recht stressig und ermüdend werden. Man ist erschöpft, weil man nicht genug Schlaf bekommt. Außerdem muss man darauf achten, regelmäßig zu essen. Inzwischen genieße ich diese Zeit mehr, weil ich nur noch drei bis vier Shows pro Saison mitmache - das ist genug, um alles mitzubekommen und die Menschen zu treffen. Dort herrscht so eine verrückte Energie, und für mich ist es wichtig, diese Routine zu haben. Wenn ich keine Shows laufe, fühlt es sich so an, als würde ich etwas verpassen. Shootings hingegen sind deswegen großartig, weil man etwas im Team erschafft. Man wird ein Teil von ikonischen, historischen Bildern, die für eine lange Zeit im Bewusstsein der Öffentlichkeit sein werden.

Sie hatten bereits eine erstaunliche Laufstegkarriere. Welche Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ich glaube, das war meine allererste Show überhaupt für Emanuel Ungaro, als Giambattista Valli der Designer war. Es war mein erste große Show, und ich war so ein Nervenbündel, weil ich zwischen all diesen großen Namen auf dem Laufsteg laufen konnte. Das war ein bedeutender Moment für mich. Über die Zeit habe ich mich definitiv entwickelt und viel gelernt. Ein zweiter denkwürdiger Moment war meine erste Dior Show für Galliano, weil man ein richtiger Charakter sein musste, mit viel Make-up und Styling - das war eine großartige Show! Das Gefühl, es endlich geschafft zu haben, hatte ich auch, als mich Donatella nicht nur für Versus, sondern auch für Versace laufen ließ. Ich fing mit Versus an und war so aufgeregt, als sie mich auch für Versace gebucht hat, weil das Label eine starke, sexy Frau repräsentiert. Von all diesen Saisons habe ich also jede Menge schöner Erinnerungen!
Supermodel Natasha Poly im Interview

Welche Dinge haben Sie in den letzten Jahren hauptsächlich gelernt?
Man hört nie damit auf, zu lernen. Es ist so interessant zu sehen, warum Menschen etwas lieben und dazu gebracht werden, Kleider zu kaufen. Für Art Director ist es so ein schwieriger Job, gemeinsam mit Stylisten, Models und Fotografen ein Bild zu kreieren, das Menschen ein Produkt lieben lässt. Bei jedem Shooting lerne ich, was sie zwischen richtig und falsch entscheiden lässt - das ist sehr interessant.

Wie hat sich Ihre Einstellung gegenüber dem Modeln geändert seitdem Sie Mutter sind?
Ich bin entspannter geworden, seit ich meine Familie habe. Ich habe mein Privatleben und rege mich nicht mehr auf, wenn ich einen bestimmten Job nicht bekomme. Das ist nicht länger die wichtigste Sache der Welt für mich.

Was wollten Sie eigentlich werden, bevor ein Modelscout Sie entdeckte?
Singen war immer irgendwie ein Traum von mir, hat aber nie geklappt. Ich genieße es als eines meiner Hobbys. Wäre ich kein Model geworden, würde ich immer noch reisen wollen. Um das mit Geldverdienen zu verbinden, hätte ich wahrscheinlich in einer Reiseagentur gearbeitet.

Was glauben Sie: Wie hat sich die Modelbranche über die letzten Jahre verändert?
Sie hat sich sehr durch Social Media verändert. Am Anfang meiner Karriere gab es das nicht, und auch Handys waren noch nicht so sehr verbreitet. Wenn man etwas mit seiner Agentur klären wollte, musste man persönlich dort hin oder eine öffentliche Telefonzelle benutzen. Inzwischen ist alles so schnell geworden, und jeder - vor allem aber auch die Designer - müssen jetzt noch härter arbeiten. Jeder muss mehr Bilder erschaffen und mehr Content, weil alles immer sofort verfügbar ist. Die Menschen wollen die Dinge nicht später sehen, sondern genau zu dem Zeitpunkt, an dem es passiert.

Und wie stehen Sie selbst zu Social Media?
Ich liebe es, weil es mir eine Möglichkeit bietet, was Menschen von Bildern und Events halten. Man hat einen direkten Zugang zu Feedback, und es ist toll, wie sich Menschen einbringen können, wenn auch sie ein Teil der Modebranche sein wollen.

Was sind für Sie die positiven Aspekte eines Model-Lebens - und welches die negativen?
Ich mag keine Flughäfen und Flugzeuge. 12-Stunden-Flüge sind der weniger schöne Teil meines Jobs, auch wenn ich mich inzwischen daran gewöhnt habe. Das Witzige ist: Trotzdem liebe ich es, all die verschiedenen Länder der Welt zu sehen und so viele kreative und talentierte Menschen zu treffen. Es wäre schön, wenn man einfach mit den Fingern schnippen könnte und im Handumdrehen an den unterschiedlichsten Plätzen der Erde wäre.

Für viele sind Sie eine Ikone der Fashion Industrie. Welchen Rat würden Sie Nachwuchsmodels geben, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?
Als ich angefangen habe, konnte ich noch nicht ahnen, wohin es mich verschlägt, was ich machen werde und worum es überhaupt geht. Was mich aber immer hat weitermachen lassen, ist meine Vorstellung davon und meine Leidenschaft. Ich liebe Fotoshootings und Fashion Shows, ich liebe es, mit Fotografen zu arbeiten und kleine Kunstwerke zu erschaffen, an das sich die Menschen erinnern werden. Manchmal ist es ganz schön hart, weil es so viel Wettbewerb gibt, so viele Mädchen. Man muss aber an sich glauben und verstehen, dass die Branche langsam wächst, aber man es an die Spitze schaffen kann. Dann wird man viele interessante Dinge erleben!
Fashion Film von Mercedes Benz

Natasha Poly für La Perla Neben Mercedes Benz ist Natasha Poly auch Teil der neuen Fashion-Kampagne von La Perla für Frühjahr/Sommer 2016. Hier ist sie in einem schwarzen Body der Kollektion La Perla Atelier zu sehen, der voller Kristalle funkelt.
Natasha Poly für La Perla

Natasha Poly für La Perla