Natalia Wörner

Schauspielerin Natalia Wörner über ihre Suche nach Spiritualität, Erdung und Weiblichkeit. Und warum Frauennetzwerke wichtiger als Netzstrümpfe sind.

Natalia Wörner bei der Berlin FW

Schauspielerin Natalia Wörner bei der Berlin Fashion Week.

Auf der Leinwand oder auf Fotos strahlt Natalia Wörner, 47, eine derart magnetische Intensität aus, dass man bei der persönlichen Begegnung erst mal erstaunt ist über die sanfte Zurückgenommenheit ihres Auftretens. Sie spricht leise und gerne in mystischen Bildern. Ein Beispiel? Bitteschön: "Mich ganz auf die englische Sprache einzulassen, war für mich eine große Befreiung. Die gestaltete Sprache neu zu empfinden, eine ungenutzte, emotionale Leinwand auszufüllen, das war für mich wie eine Geburt."

Was fesselt an Natalia Wörner, sind diese Augen, die graugrün schimmern wie die See an einem aufgewühlten Tag. Wir treffen uns in Berlin, der Stadt, in der die in Stuttgart aufgewachsene Schauspielerin seit zehn Jahren lebt. Nach dem Abitur startete sie ihre Karriere zunächst als Model in Paris und New York, studierte am Actor's Studio, begann in Hamburg am Theater, erst in Off-Produktionen, schließlich an den Kammerspielen und etablierte sich stetig in vielen Fernsehfilmen und auch im deutschen Kino.
Natalia Wörner und Robert Seeliger

Natalia Wörner und Robert Seeliger im Jahr 2007

1994, beim Dreh für "Die Sieger" von Dominik Graf, traf sie den Schauspielkollegen Herbert Knaup, der bis 2001 ihr Lebensgefährte war. Am Set von Ute Wielands "Miss Texas" verliebte sie sich 2004 in ihren Co-Star, den Kanadier Robert Seeliger. Der erste Urlaub führte die beiden ins thailändische Khao Lak - mitten in den Tsunami. Der Horror, das gemeinsame Überleben - ein starkes Band. Die beiden heirateten, bekamen Sohn Jacob-Lee, heute 8. 2008 ließ sich das Paar scheiden. Wir sprachen mit Natalia Wörner über Veränderungen, Herausforderungen und darüber, warum gerade ihre Rolle der Ellen in der Verfilmung von Ken Folletts Historien-Bestseller "Die Säulen der Erde"ein Schlüssel für sie war, die, wie sie sagt, "essenzielle Weiblichkeit" in sich selbst zu festigen.

Inwiefern ist eine Figur aus dem tiefsten Mittelalter für Sie ein Vorbild in unserer Zeit?

Ellen ist eine Urfrau, zeitlos, im spirituellen Sinne die Frau, die man eigentlich sein will. Sie geht in Opposition gegen das machtpolitische Konglomerat aus Männerfantasien, das die Kirche damals darstellte - und was sich für mich bis heute nicht geändert hat. Sie setzt all dem ihre Kräfte als Heilerin und Hexe entgegen, weshalb sie in den Wald fliehen und für sich und ihren Sohn einen ungeheuren Überlebenskampf führen muss. Voll aus seiner weiblichen Essenz heraus zu agieren, autark und autonom zu sein, das imponiert mir. Und diese große Liebeskraft, aus der heraus eine Frau wie Ellen existiert und die ihr einen unglaublich starken inneren Kompass zur Hand gibt. Diese Rolle war ein Geschenk, das mich genau zu dem Zeitpunkt in meinem Leben abgeholt hat, an dem ich wirklich bereit war und offen, mich voll in diese Weiblichkeit hineinfallen zu lassen.

Was ist für Sie der Schlüssel zur Liebe?

Zu wissen, dass sie einem nicht zufliegt, sondern etwas ist, das man selbst verstreut. Um Liebe empfinden und empfangen zu können, muss man in seiner eigenen Mitte sein. Wenn man, wie ich, ein kleines Kind hat, sieht man in ihm diese Urkraft, diese unendliche Liebesfähigkeit und Großzügigkeit. Es ist diese Feinporigkeit, die mein Sohn noch hat, von der ich hoffe, dass sie ihm eine Kraftquelle bleiben wird.

Was zeichnet Ihr Familienleben nach der Trennung von Jacobs Vater aus?

Konsequenz. Nicht mehr als Paar, aber als Vater und Mutter sind wir beide sehr präsent, wir verstehen uns gut und es ist uns gelungen, die Verantwortlichkeiten kreativ aufzuteilen und Kontinuität zu schaffen. Bestimmt nicht so, wie man sich das mal erträumt hat, aber in Form einer guten gemeinsamen Basis.

Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie Ihrem Kind mitgeben wollen?

Uns beiden geht es darum, unser Kind zur Selbstständigkeit zu erziehen und ihm mit viel Liebe Respekt beizubringen. Der Ton, der bei uns herrscht, lässt Raum für den Respekt vor dem Kind. Ich bin oft zutiefst erschrocken, wenn ich sehe, wie Kinder, die noch ganz in ihrer Unschuld sind, von Eltern demontiert werden. Ein Kind, das keine Achtung erfährt, wird sie auch vor den Eltern - und dem gesellschaftlichen Umfeld - nicht haben.

Was waren die entscheidenden Wendepunkte, die Ihrem Leben eine neue Richtung gegeben haben?

Der Tsunami war sicher eine Zäsur, ein Erlebnis, das mich zutiefst geprägt und meine Werte verändert, die Dinge neu geordnet hat. Für mich wurde immer mehr zum Thema, mich offenbaren zu lernen, auch wenn mein Weg dahin mit Ängsten und Hürden gepflastert ist. Als eine Art Spiegel der eigenen Erdung waren auch die letzten Jahre: Mutter zu werden, zu begreifen, in welcher Verantwortung man plötzlich für ein anderes Lebewesen steht, seine eigenen Bedürfnisse auch mal zurückschrauben zu können.
Natalia Woerner arrives for the 'The Pillars of the Earth'

Natalia Wörner bei der Premiere von "Die Säulen der Erde" im Jahr 2010.


Was hilft Ihnen bei dieser Selbstfindung?

Viel Kraft schöpfe ich aus der Meditation, die immer in meinen Alltag integriert sein muss.Und ich erlaube mir Auszeiten in einem Retreat, dem "Awakening Women Institute", das Chameli Ardagh gegründet hat. Diese Workshops, das letzte Mal auf Korfu, sind meine Inseln, spirituelle, therapeutische Tankstellen.

Sind Sie eine Frauen-Frau?

Wenn man eine Weile nur unter Frauen lebt, verändert sich die Wahrnehmung. Diese ganze blöde Konditionierung, andere Frauen in erster Linie als Konkurrenz zu sehen, fällt weg und macht Platz für eine extrem ehrliche, schutzlose Verletzlichkeit. Daraus entsteht jene Art von Lebensenergie, in der man sich eigentlich bewegen sollte.

Sie sind in einem Frauenhaushalt groß geworden. Wie hat Sie das geprägt?

Sehr. Meine Schwester und ich sind Scheidungskinder, aufgewachsen mit Mutter, Groß- und Urgroßmutter. Als Opa ist mein Vater heute sehr integriert, aber meine verlässlichsten Lebensbegleiter sind Frauen, auch Freundinnen, ein Rudel Alpha-Wölfinnen. Die nachhaltigste Ressource für mich waren und bleiben Frauennetzwerke, weit wichtiger als Netzstrümpfe.

Und was schätzen Sie an der Beziehung zu einem Mann in Ihrem Leben?

Das Spannungsverhältnis, das sich aus der Andersartigkeit ergibt, finde ich sehr aufregend und bereichernd und zutiefst schön. Wer das jetzt ist, bleibt auch für mich vorerst ein Geheimnis.