Kaviar Gauche im Jubiläums-Interview

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler können es eigentlich selbst kaum glauben: Seit 2004 gibt es ihr gemeinsames Label Kaviar Gauche - und bis heute war es ein langer, jedoch stets bergauf führender Weg. 2014 zeigen die beiden Freundinnen aus Studientagen einmal mehr auf der Paris Fashion Week, und vorher war noch kurz Zeit für ein Jubiläums-Interview.

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler bilden das Designer-Duo Kaviar Gauche.

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler bilden das Designer-Duo Kaviar Gauche.

Madame.de: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Wie fühlt sich dieser Meilenstein an?
Kaviar Gauche: Auf jeden Fall nicht wie zehn Jahre! Die Zeit vergeht so wahnsinnig schnell - und es wird nie langweilig. Schließlich gibt es immer neue Herausforderungen, und man arbeitet mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammen. Tatsächlich haben wir ein bisschen mit Schrecken festgestellt: Du meine Güte, wir haben ein Jubiläum zu feiern!

Haben Sie sich vor zehn Jahren dort gesehen, wo Sie heute sind?
Da sind wir uns ehrlich gesagt nicht ganz sicher. Definitiv haben wir uns aber nicht in Berlin gesehen, vor allem was unsere Präsentationsfläche angeht. Als wir anfingen, gab es die Berlin Fashion Week noch nicht, und generell wurde Mode in Deutschland als nicht sehr trendbewusst angesehen.

Was ist an Paris anders als an Berlin?
Wirklich vergleichen kann man die beiden Städte nicht, es gibt zu viele Unterschiede. Nichtsdestotrotz findet in beiden Mode statt - und natürlich mit starker Berechtigung. Berlin ist eine sehr junge Stadt, die Wende schuf überhaupt erst ein ganz neues Stadtbild. Mode war hier jedoch lange Zeit eher ein Kulturgut und nicht etwas, womit große Gelder verdient werden können. Langsam ändert sich das. Paris hingegen ist eine alteingesessene Modestadt, in der Mode natürlich auch ein Großteil der Wirtschaftskraft ist. Wenn man sieht, welche Eliteschulen im Ausland im Fach Luxury Management ausbilden, da kann sich Deutschland erst einmal hinten anstellen.



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Ist das Label "Made in Germany" allerdings im Ausland noch etwas wert?
Auf jeden Fall! Wenn Mode im eigenen Land produziert wird, ist sie natürlich nicht nur gut, sondern vor allem auch nachhaltig. Darauf bekommt man nach wie vor positive Reaktionen.

Wird es eine Rückkehr von Kaviar Gauche zur Berlin Fashion Week geben?
Wir werden der Berlin Fashion Week sicherlich nicht für immer den Rücken kehren. Dafür ist sie auch einfach eine zu großartige Plattform. Für uns wurde es mit den Jahren jedoch immer schwieriger, mit dem internationalen Markt zu kommunizieren. Außerdem konnten wir Einkäufer nicht mehr in dem Maße begeistern, wie wir es uns wünschen. Das nimmt man sich natürlich zu Herzen. Die Frage ist allerdings, ob man in den kommenden Jahren nicht andere Wege findet - der einer reinen Modenschau muss zwangsläufig nicht immer der richtige sein. Es ist nicht auszuschließen, dass wir unsere Mode in Berlin künftig vielleicht als eine Art Happening zeigen werden. Aber vielleicht wird die Berlin Fashion Week auch internationaler - wir müssen einfach sehen, wie sich alles entwickelt.


Kaviar Gauche Kollektion

Viel Weiß, viel Schwarz, ein bisschen Rot: die bezaubernde Herbst/Winter 2014/2015 Kollektion von Kaviar Gauche.



Ist es auch wichtig, neue Formen der Präsentation zu finden?
Kann sein. Aber auch wenn wir demgegenüber komplett offen sind: Für uns wird die Show vermutlich die beste Prästentationsform bleiben - einfach aufgrund unserer vielen langen Kleider und dem Volumen. Es gibt aber bestimmt andere Marken, für deren Mode eine andere Kommunikationsbasis noch viel effizienter sein kann.

Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Wenn man zehn Jahre miteinander arbeitet, ist man natürlich ein eingespieltes Team. Generell ist alles ein ständiger Fluss: Eine von uns entdeckt ein Thema oder ein Detail, welches sie sehr spannend findet. Die andere setzt sich dann eher mit den Stoffstrukturen oder den Schnitten auseinander. Es ist alles wie ein großes Flechtwerk, das am Ende zusammenkommt.

Kaviar Gauche

Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler lernten sich bereits während des Studiums kennen.

Wechseln die Aufgaben von Kollektion zu Kollektion?
Ja, sehr häufig. Das macht auch den größten Spaß an der ganzen Zusammenarbeit aus. Man hat nie das Gefühl, dass man ständig Dasselbe tut. Das würde auch langweilig werden. So hält man die Arbeit frisch. Letztendlich sind wir zwei Individuen und müssen uns immer wieder gegenseitig inspirieren.

Ist man zu zweit kreativer?
Auf jeden Fall - obwohl Kreativität etwas sehr Unbewusstes ist. Wir gehen nicht etwa in eine Ausstellung mit dem Vorhaben: Jetzt möchten wir uns inspirieren lassen! Es entsteht in einem unbewussten Moment, etwa auf Reisen oder bei Stoffmessen.

Wie entstand überhaupt die Idee, ein gemeinsames Label zu gründen?
Zunächst wurde das von außen an uns herangetragen. Wir haben zwar zusammen studiert, arbeiteten aber nicht unbedingt miteinander. Obwohl wir komplett verschiedene Backgrounds haben, kam am Ende etwas sehr Ähnliches heraus - mit jeweils anderen Nuancen und Schwerpunkten. Wir teilen dieselbe Ästhetik und auch dieselben Interessen - das ist die Basis für alles.

War die Ausrichtung des Labels von Anfang an klar?
Nein, das musste sich entwickeln. Die ersten vier Saisons waren gewissermaßen eine Findungsphase, dort probierten wir noch sehr viel aus. Anfangs hatten wir mit Japan auch einen sehr dankbaren Markt - denn Japaner sind besonders affin, was avantgardistische Mode angeht. In Europa war das schon schwieriger.

Gab es Namensalternativen?
Der Name sollte den Charakter unserer Mode wiedergeben. Außerdem war uns wichtig, dass unsere Entwürfe von Anfang an in einem hochwertigen Rahmen stattfinden. Ein Label aus unseren Nachnamen hätte nicht funktioniert - und einen typischen Berliner Namen wollten wir auch nicht. Dadurch, dass wir beide sehr frankophil sind und auch auf einer französischen Schule lernten, suchten wir im französischen Bereich und wurden mit Kaviar Gauche fündig.

Wir teilen dieselbe Ästhetik und auch dieselben Interessen - das ist die Basis für alles.
Kaviar Gauche


Vor welchen Schwierigkeiten standen Sie damals?
Wenn man so jung und früh anfängt wie wir - und auch mit einer gesunden Portion Naivität an die Sache rangeht -, lassen sich jede Menge Kräfte freisetzen. Natürlich war das nicht immer ganz einfach, und es gab auch Hindernisse. Wir sahen sie allerdings nicht als solche, und diese Erfahrungen gehören eben dazu.

Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch einmal anfangen würden?
Wir würden natürlich mit einem ganz anderen Wissen an die Sache herangehen. In Berlin war damals eine Art Gründergeist vorhanden, jeder hat jedem geholfen, und wir waren im Nachhinein in einer sehr glücklichen Situation. Damals kamen wir quasi ohne Geld aus und hatten trotzdem irgendwie die Mittel und Möglichkeiten, unsere Kreativität ausleben zu können. Bis wir uns davon finanzieren konnten, dauerte es natürlich zwei, drei Jahre. In Paris hätten wir jedoch zu der Zeit wahrscheinlich nur vier Monate überlebt und noch nicht einmal die nächste Saison geschafft.

Und wie soll es die nächsten zehn Jahre weiter gehen?
Letztendlich einfach gerne weiter steil bergauf! Es wäre schon wünschenswert, dass wir uns in Paris weiter festigen können. Und dass wir es schaffen, auch im Ausland einen eigenen Shop zu eröffnen. Schließlich ist es etwas anderes, wenn Frauen komplett in die Welt von Kaviar Gauche eintauchen können.