Acht Fragen an Joyce DiDonato

Grammy-Preisträgerin und einmal mehr "Beste Sängerin des Jahres" beim Echo Klassik: Die US-Amerikanerin Joyce DiDonato ist ein wahres Ausnahmetalent und steckt uns mit ihrer unbändig guten Laune an. Im Interview verrät uns die Mezzosopranistin, wie ein normaler Tag in ihrem Leben aussieht und welche Bühne der Welt sie am meisten liebt.

Madame.de: Wie sieht ein "normaler" Tag im Leben einer Opernsängerin aus?
Joyce DiDonato: Das Leben einer Opernsängerin besteht aus zwei Teilen: Übungsphasen und Auftritte. Die Proben sind mit Abstand am arbeitsintensivsten, üblicherweise steht hier ein morgendlicher Besuch im Fitnessstudio an, um den Körper aufzuwecken - und natürlich die Stimme! Die Aufwärmübungen dafür dauern in der Regel 20-30 Minuten, danach folgen rund sechs Stunden Proben für Musik und Bühneninszenierung, oftmals verbunden mit Anproben für Perücke und Kostüm. Am Ende des Tages kommt es dann nicht selten vor, dass man noch zu einem Spenden-Dinner oder einem Event eingeladen ist.
Lang Lang
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Am Tag der eigentlichen Aufführung kann ich dann ausschlafen, schließlich ist Ruhe das beste Mittel, um gesund zu bleiben. Danach ein bisschen Yoga, ein spätes Mittagessen - ich kann nicht mit vollem Magen singen, daher gibt's kein Abendessen vor dem Acht-Uhr-Vorhang! Drei Stunden Aufführung, anschließend genug Zeit, um die Fans zu begrüßen und mit den Freunden und der Familie auszugehen, die die Show gesehen haben. Nach so einem Tag bin ich nie vor halb drei Uhr nachts im Bett!

Und wie läuft ein nicht ganz so normaler Tag?
Das wäre dann ein freier Tag, an dem ich meine Stimme überhaupt nicht benutzen muss. Das nutze ich aus und ziehe mich von der realen Welt zurück. Ich genieße vielleicht ein Spa Treatment, ein großartiges Buch, einen Ausflug zum Markt, um am Abend ein frisches Essen zu kochen. Der beste, nicht ganz so normale Tag ist derjenige, an dem ich nichts zu erledigen habe.
 
 
Wollten Sie schon immer professionelle Sängerin werden?
Ich habe tatsächlich davon geträumt, am Broadway zu singen oder als Backup-Sängerin für Billy Joel zu arbeiten. Aber dann dachte ich: "Sei nicht dumm, Joyce, das schaffst du niemals!" Jahre später bekam ich immer mehr das Gefühl, dass mich die Oper für sich gewählt hat und mich immer mehr in ihre Richtung zog - als wäre es nicht meine Wahl gewesen. Wenn Sie mich fragen, ob ich daran irgendetwas ändern würde? Auf gar keinen Fall!

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2012 haben Sie einen Grammy gewonnen. War das der Zeitpunkt, an dem Sie dachten: "Jetzt habe ich es geschafft!"?
Ich muss ehrlicherweise sagen, dass das einer der überwältigendsten Tage meines Lebens war. Ich hatte bis dahin schon einige Auszeichnungen erhalten, was jedoch den Grammy so besonders machte, war, dass Menschen, die keine Opern-Fans sind - darunter auch Mitglieder meiner Familie! -, endlich meine Arbeit in einem anderen Licht sahen. In irgendeiner Weise gab mir der Grammy in den Augen anderer Leute eine Art Glaubhaftigkeit, denn ein Grammy bedeutet, dass alles berechtigt ist, was du tust, wie bei Michael Jackson oder U2.

Welche Bühne lieben Sie am meisten?
Das ist, wie wenn eine Mutter sagen müsste, welches ihr Lieblingskind ist! Ich verehre wirklich so viele Orte, und jeder von ihnen hat seine eigenen Merkmale. Für mich ist es unmöglich, Carnegie Hall über die unglaubliche Bühne und das Publikum in Sao Paolo zu stellen, oder London über Paris. Nein, das ist unmöglich!
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Welche Oper ist Ihr Favorit?
In meinem Herzen habe ich einen besonderen Platz für diese schlimme Verletzlichkeit von Alcina, aber auch für die verlorene Seele von Romeo. Nicht zu vergessen den verlorenen Kopf von Mary Stuart! Ich schätze mich so glücklich, dass ich die Möglichkeit bekomme, so eine Vielfalt an Charakteren darzustellen - mit unglaublich schöner, aber so unterschiedlicher Musik.

Was ist die größte Herausforderung, wenn Sie eine neue Rolle einstudieren?
Eine enorme Herausforderung ist es, der Versuchung zu widerstehen, mit den Geistern der Vergangenheit mithalten zu wollen. Die Oper hat eine dermaßen tiefe Tradition, und es gibt unzählige ikonische Auftritte und Sänger, dass es schnell passieren kann, dass man glaubt, besser als sie sein zu müssen und sich unter Druck setzt, sein Markenzeichen zu hinterlassen. Ich genieße es vielmehr, Musik, die hunderte von Jahre alt sein kann, frisch und voller Entdeckung zu halten.

Gibt es noch Rollen, von denen Sie träumen?
Absolut! Allerdings liegen davon viele außerhalb meines Repertoires. Ich würde so gerne die "Bad Boys" der Oper spielen - Scarpia und Don Giovanni! Genauso die wirklich tragischen und komplexen Charaktere wie Salome oder Lulu. Aber das sind Träumereien. Am Ende des Tages bin ich begeistert, in meinem Fach zu sein und so eine Vielfalt an musikalischen Genres und Rollen vor mir zu haben.