Jeder sollte den Kurzfilm "In a hearbeat" gesehen haben

Ein vierminütiger Zeichentrickfilm bringt nicht nur gestandene Erwachsene zum Heulen, sondern sammelt innerhalb von zwei Tagen über 5 Millionen Views bei YouTube - Tendenz steigend. Erzählt wird eine Geschichte, die wir dringend brauchen.

Herzige Liebesgeschichte

Eine Geschichte so alt wie die Menschheit: Zwei Menschen, die sich begegnen. Ein bisschen Herzschmerz und ein zärtliches Happy End - und doch ist der animierte Kurzfilm "In A Heartbeat" etwas Besonderes.

Der Kurzfilm der amerikanischer Filmstudenten Beth David und Esteban Bravo hat Ende letzten Jahres auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter mit Hilfe einer Social-Media-Kampagne nicht nur innerhalb einer Woche das Vierfache des anvisierten Betrags von 3.000 US-Dollar reingeholt, sondern wurde jetzt auch nach Veröffentlichung ein halbes Jahr später innerhalb von 24 Stunden knapp 3 Millionen Mal angeschaut.

Woher kommt der Hype?

In A Heartbeat thematisiert die aufregende erste Liebe mit 12, 13 Jahren in wunderschönen Illustrationen und einer süßen Idee: Das verliebte Herz des kleinen Sherwin springt ihm beim Anblick seines Schwarms buchstäblich aus der Brust und folgt dem Objekt der Begierde - seinem Mitschüler Jonathan. Und darin liegt die eigentliche Story und auch das Erfolgsgeheimnis dieser einen Abschlussarbeit unter tausenden: In nur 4 Minuten erzählt "In A Heartbeat" eine herzerwärmende Geschichte über die erste Liebe eines Jungen, der nicht out ist, zu einem anderen Jungen - mit allen Ängsten und Zurückweisungen, denen homosexuelle Teenager immer noch jeden Tag begegnen. Und anstelle dem in der Film- und TV-Industrie typischen Schicksal für homosexuelle Charaktere - Tod, Gewalt, Absturz - endet die Geschichte mehr als nur hoffnungsvoll.

Diese Geschichten brauchen wir. Nicht nur für uns, sondern für unsere Kinder, die selbst in einer vermeintlich progressiven Gesellschaft wie Deutschland eine Frau an der Spitze der Macht haben ("Angela Merkel ist sowas wie die Königin von Deutschland", habe ich meiner 6-jährigen erklärt), aber nur wenige Medieninhalte konsumieren können, die die Liebe zwischen Jungs und Jungs, und Mädchen und Mädchen normalisieren. Für meinen 4-jährigen Sohn, der Eishockey spielt, sich gern als Eiskönigin Elsa verkleidet, Nagellack liebt und nicht von anderen Eltern hören braucht, dass das ja ganz merkwürdig sei für einen Jungen. In einer modernen und diversen Gesellschaft sollten alle Eltern ihren Kindern diesen Film zeigen.

Als meine Kinder und ich uns das Filmchen heute Morgen zusammen angeschaut haben, war die dringendste Frage meiner beiden nicht, "Häh, Junge und Junge??", sondern "Warum weint Mama denn, der Film ist doch voll schön?". So soll es sein.