Innsbruck

Dank architektonischer Höhenflüge entwickelte sich Innsbruck von der Studenten- und Olympiastadt in den letzten zehn Jahren zu einer Weltstadt im Westentaschenformat. Ihr besonderer Reiz: das Miteinander von in Stein gemeißelten Erinnerungen an die Zeit der Habsburger und modernem Leben

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In Innsbruck treffen historische Bauten auf modernes Leben - eine spannende Mischung.

Eine Welt ohne elektronische Medien kann man sich heute kaum noch vor­stellen. Dass es sie gab und wie ihr Nachrichtensystem vor 500 Jahren funktionierte, lernt man in Innsbruck bei einem Spaziergang durch die Herzog-Friedrich-Straße.

Fast jedes Haus schiebt sich hier mit einem nach allen Seiten verglasten Erker ins Freie. Der prächtigste von allen, das mit 2657 feuervergoldeten Schindeln verzierte Goldene Dachl, war zu jener Zeit die private Loge Kaiser Maximilians. Auf seinem Lieblingsplatz amüsierte er sich bei Aufführungen von Theatergruppen, Gauklern und Ritterspielen, während der Hofklatsch zwischen den offenen Erkern ausgetauscht wurde.
Innsbruck Sehenswürdigkeiten
Dass die Altstadt so reich an Sehenswürdigkeiten ist, verdankt sie der mit Salz und Silber finanzierten Bauwut des lebenslustigen Habsburgers, der – allerdings vergebens – davon träumte, die an einem der wichtigsten Verkehrswege von Nord- nach Südeuropa gelegene Stadt zum Herzstück des Heiligen Römischen Reiches zu machen.

Immerhin dauerte eine Reise von Augsburg nach Venedig damals neun Wochen, und Innsbruck profitierte – unter anderem mit dem Brückenzoll – davon, dass der Brenner mit 1374 Metern Höhe der niedrigste Übergang von Norden über die Ostalpen nach Süden war. Dass Pilger, Händler, Ritter und geistige Größen wie Mozart, Hans Christian Andersen und Goethe regelmäßig in Innsbruck Rast machten, bezeugen die vielen historischen Gasthöfe der Stadt.
Olympia
Die eigentliche Geschichte des Fremdenverkehrs begann erst im 19. Jahrhundert mit dem Bau der Eisenbahn, gefolgt von der Brennerautobahn in den 1960er-Jahren und Innsbrucks Rolle als Olympiastadt, die gleich zweimal – 1964 und 1976 – ein internationales Publikum anlockten.
Zaha Hadid
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Futuristisch: Die Bergisel-Schanze.

Den entscheidenden Schritt in eine neue Zukunft aber wagten die Innsbrucker 2002, als die weltberühmte Architektin Zaha Hadid den futuristischen Turm der Bergisel-Sprungschanze realisierte, der quasi über Nacht dem Goldenen Dachl als Wahrzeichen der Stadt den Rang ablief. Die Lust auf Neues war erwacht und suchte nach weiteren Herausforderungen. Den nächsten Schritt machte der französische Stararchitekt Dominique Perrault mit der Inszenierung der urbanen Rathausgalerien zu Füßen des neu gebauten Verwaltungsturms, bevor Zaha Hadid 2007 mit der einem Spaceshuttle ähnlichen Talstation der Hungerburg-Seilbahn ein weiteres architektonisches Statement abgab.

Drei Jahre später folgte die Eröffnung des supermodernen Kaufhaus Tyrol, und seit wenigen Monaten macht ein modernes Designhotel am Bahnhof den beschaulichen historischen Gasthöfen Konkurrenz. Designerläden mit internationalen Labels, innovative Concept Stores, eine Szenebar auf dem Dach des Rathauses und coole Zeitgeist-Bistros, die auf moderne Alpen-Cuisine setzen, schaffen täglich ein spannendes Pendant zu den romantischen Relikten der K.-u.-k.-Dynastie.
Karwendel
Größter Trumpf der genussreichen Alpenstadt ist die Tatsache, dass man sich in weniger als einer halben Stunde mit den Bergbahnen vom Zentrum bis auf die 2000 Meter hohen Gipfel des Karwendelgebirges hinaufschwingen kann. Wie die Kulisse eines Ganghofer-Films halten die Berge die Stadt fest im Griff. Locken im Winter Skifahrer auf ehemalige Olympiapisten und die Weltelite der Skispringer zum jährlichen Kräftemessen auf den Bergisel. Im Sommer sind sie ein Paradies für Bergsteiger und Mountainbiker.

Und ein Sehnsuchtsziel für Botaniker: Direkt neben der Bergstation der Patscherkofelbahn kann man im Alpengarten bestaunen, wie reich dieses wunderschöne Stückchen Welt von der Natur beschenkt wurde.


Christine von Pahlen