Hormon Flüsterer

Fast jede Frau ist irgendwann einmal davon betroffen: Beschwerden und Krankheiten, die hauptsächlich durch die weiblichen Sexualhormone verursacht werden. Zum Glück gibt es dagegen wirkungsvolle Therapien und sanfte Methoden aus der Naturheilkunde.

Progesteron, Östrogen, Testosteron, DHEA: Wir erklären, welches Hormon welchen Einfluss auf uns ausübt

Progesteron, Östrogen, Testosteron, DHEA: Wir erklären, welches Hormon welchen Einfluss auf uns ausübt

Hormone gelten als Regisseure des Lebens. Sie steuern unser Wohlbefinden und alle wichtigen Körperfunktionen. Für Frauen spielen die Östrogene eine besonders wichtige Rolle. Sie lassen unsere Haare wachsen, die Haut prall und rosig aussehen, und sie verbessern den Fettstoffwechsel. Die weiblichen Sexualhormone haben sogar Auswirkungen auf kognitive Prozesse im Gehirn, weshalb Frauen beispielsweise öfter rechts und links verwechseln und manchmal mit der Orientierung auf Kriegsfuß stehen. Vor allem aber haben Frauen aufgrund ihrer speziellen Hormonsituation ganz andere körperliche Beschwerden als Männer. 

Etwa jede zweite trift früher oder später eines der typischen, hauptsächlich von den Sexualhormonen beeinflussten Leiden –von Myomen und Menstruationsschmerzen bis hin zu der wenig bekannten Erkrankung Endometriose. Die gute Nachricht: Die Beschwerden sind zwar unangenehm und können manchmal sogar sehr schmerzhaft sein, in der Regel sind sie aber ungefährlich. Wir haben uns mit den vier häufigsten befasst und stellen wirksame Therapiemöglichkeiten vor. 
Regelschmerzen
Schilddrüse
Schilddrüse

So klein und so bedeutend

Im Durchschnitt passiert es alle 28 Tage: Wenn sich im Uterus kein befruchtetes Ei einnistet, wird ein Teil der Gebärmutterschleimhaut abgebaut und abgestoßen – es kommt zur Regelblutung. Jede Frau erlebt diesen Menstruationszyklus etwa 350 bis 500 mal in ihrem Leben. Vor allem in den ersten ein bis zwei Tagen der Monatsblutung haben viele Frauen Schmerzen im Bauch und/oder Rücken, die bis in die Beine ziehen können. Kopfschmerzen, Müdigkeit und Durchfall sind ebenfalls häufige unerwünschte Begleiter der Regelblutung. "Während der Menstruation werden vermehrt das Zellhormon Prostaglandin und dessen Vorstufe Arachidonsäure produziert, welche nicht nur eine höhere Schmerzempfindlichkeit, sondern auch Kontraktionen in der Gebärmutter verursachen“, erklärt die Münchener Gynäkologin Dr. Tania Lehmann.

"Die Gebärmutter ist nämlich ein Muskel, der sich während der Monatsblutung zusammenzieht, um aktiv die nicht benötigte Gebärmutterschleimhaut abzustoßen. Sie ist in dieser Phase außerdem weniger durchblutet als sonst, und genau das verursacht in den ersten Tagen die Schmerzen“, so Dr. Lehmann weiter. Auch der jeweilige Lifestyle kann Regelschmerzen, medizinisch Dysmenorrhö genannt, verschlimmern. Dazu gehören vor allem Stress, zu wenig Bewegung und körperliche Überanstrengung. Meistens sind Regelschmerzen zum Glück völlig harmlos und tauchen auch nicht in jedem Monat auf.
Regelschmerzen: Schulmedizin & Homöopathie Wenn sich die Schmerzen verstärken und Dauer und Intensität der Blutung steigen, sollte das durch einen Arzt abgeklärt werden. Bei starken Schmerzen empfehlen Mediziner die Einnahme von Medikamenten. Arzneimittel mit den Wirkstoffen Butylscopolamin (z. B. in "Buscopan“) oder Naproxen (z. B. in "Dolormin“) können Bauchkrämpfe sowie Rücken-und Kopfschmerzen lindern.

Pflanzliche Medikamente, wie zum Beispiel Präparate mit Mönchspfeffer und Frauenmantel, bessern die Beschwerden ebenfalls und wirken ausgleichend auf den Hormonhaushalt. "Aus homöopathischer Sicht hilft gegen Krampfschmerzen Magnesium phosphoricum in der Potenz D6. Davon sieben Kügelchen (Globuli) nehmen. Gegen kolikartige Schmerzen kann man Cuprum metallicum in der Potenz D12 nehmen. Fünf Kügelchen in einem Glas Wasser auflösen und schluckweise trinken“, erklärt die Kölner Homöopathin Viktoria Steinbiß-Gaymann.
Menstruation: Entspannung & Bewegung
Und was kann man aktiv tun, um möglichst unbelastet durch die "Tage“ zu kommen? Manchmal hilft es, einfach mit einer kuscheligen Wärmflasche auf dem Sofa zu relaxen. Sport ist ebenfalls eine gute Idee, da er die Durchblutung anregt und so Spannungen löst. Beim Tema Ernährung gilt: Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Milchprodukte vermeiden, sie regen die Produktion von Arachidonsäure an, mit den zuvor beschriebenen Folgen. Ist Magnesiummangel die Ursache für die unangenehmen Krämpfe, helfen Bananen, Sonnenblumenkerne und Vollkornprodukte. Auch B-Vitamine - vor allem Vitamin B₆ - lindern die Beschwerden. Sie stecken in Hülsenfrüchten, Avocados und Algen. Krampflösend wirken außerdem Gewürze wie Anis, Fenchel und Kümmel. Und schließlich hilft alles, was entspannt. Die Palette reicht von Atemübungen und autogenem Training über Aromatherapie bis hin zu Akupressur und Akupunktur.
Myome: Muskelverhärtungen der Gebärmutter Myome sind in der Regel gutartig. Die kleinen Muskelknoten entstehen unter dem Einfluss des weiblichen Sexualhormons Östrogen. Sie können sich deshalb erst ab der Pubertät bilden und dann mit den Jahren wachsen. Die Menopause allerdings stoppt das Wachstum endgültig, weil der Körper dann immer weniger Östrogene bildet. Myome bleiben meist unbemerkt, bis der Gynäkologe sie zufällig bei einem Routine-Check diagnostiziert. Mit den modernen Ultraschallgeräten lassen sich dabei heute schon kleinste Knoten feststellen. Wieso genau es zu den Verhärtungen in und an der Gebärmutter kommt, ist bis heute nicht geklärt. "Neben hormonellen Gründen spielen auf jeden Fall auch erbliche Faktoren eine Rolle. Myome treten häufiger bei Frauen auf, deren Mütter ebenfalls davon betroffen sind“, erklärt Dr. Lehmann. 
Myome: Die Wahl der richtigen Therapie
Wollen Sie gesünder leben?
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Mit diesen 5 simplen Tricks könnte es klappen

"Solange Myome keine Schmerzen verursachen, ist keine Behandlung nötig“, betont Dr. Lehmann. Wenn allerdings Beschwerden wie Menstruationsstörungen mit starken Blutungen oder Zwischenblutungen auftreten, muss therapiert werden. Diese Blutungen können mit fast wehenartigen Krämpfen einhergehen, und durch den Blutverlust kann es sogar zu Blutarmut (Anämie) kommen. Je nach Größe und Lage üben Myome möglicherweise Druck auf andere Organe aus und beeinträchtigen dadurch die Funktion der Blase, der Nieren und des Enddarms. Die Wahl der Therapie ist abhängig von den Symptomen und der Größe des Myoms sowie der jeweiligen Lebenssituation der Betroffenen. So können die Knoten das Entstehen einer Schwangerschaft erschweren. Bei Kinderwunsch ist deshalb die Entfernung der Myome unter Vollnarkose meist die einzige Lösung. Wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist, bieten sich verschiedene Therapien an.

Bewährt hat sich die Embolisation. Dabei versuchen die Ärzte, das Myom von der Blutversorgung abzuschneiden, sodass es anschließend „verhungert“ und dadurch schrumpft. Durch einen Katheter, der über einen kleinen Hautschnitt in der Leiste eingebracht wird, injiziert der Arzt winzige Plastikpartikel in die Blutgefäße, die das Myom normalerweise versorgen. Der Knoten bekommt nach diesem Eingriff weder neuen Sauerstoff, noch wird er ernährt, deshalb bildet er sich in der Folge allmählich zurück. Die Methode kommt nicht in allen Fällen infrage und kann Nebenwirkungen haben. So lässt sich beispielsweise das Risiko nicht völlig ausschließen, dass Teile der gesunden Gebärmutter geschädigt werden. Manche Ärzte raten deshalb von der Embolisation ab, wenn noch ein Kinderwunsch besteht. Ein relativ neues Therapieverfahren ist der fokussierte Ultraschall. Dabei werden die Knoten unter der Kontrolle von Magnetresonanztherapie-Aufnahmen mit Ultraschallwellen gezielt erhitzt und damit zum Schrumpfen gebracht. Das experimentelle Verfahren wird derzeit in einigen wenigen Kliniken getestet und erforscht. Es gehört also noch nicht zur Standardtherapie und lässt sich grundsätzlich nur angewendet, wenn die Myome nicht größer als sieben bis acht Zentimeter sind.
Wechseljahresbeschwerden
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Sind das schon die Wechseljahre? Das fragen sich viele Frauen, wenn sie plötzlich schlechter schlafen als früher, mehr schwitzen oder wenn die Periode unregelmäßiger wird. Bereits ab Mitte 30 beginnt sich der Hormonhaushalt im Körper der Frau langsam zu verändern. Wirklich spürbare Anzeichen treten aber meist zwischen dem 40. und dem 45. Lebensjahr auf. Die Wechseljahre setzen nicht mit einem Paukenschlag ein, sondern langsam und allmählich. Sinkende Hormonkonzentrationen sind schuld daran, dass der monatliche Zyklus unregelmäßiger wird, Symptome wie Herzrasen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen auftreten. Jede Dritte leidet darunter so stark, dass sie deshalb zum Arzt geht.
Menopause: Hormone helfen Was tun? Die Einnahme von Hormonen ist umstritten, seit vor etwa zehn Jahren Hormonpräparate unter Verdacht gerieten, Herzinfarkte auszulösen und das Risiko für Brustkrebs zu erhöhen. Inzwischen hat sich allerdings gezeigt, dass dies nur für bestimmte Frauen zutrift und Hormone richtig angewendet sicher sind. Eine Konsequenz aus dieser Studie ist auf jeden Fall sehr positiv: Während früher viele Frauen in den Wechseljahren nach dem Gießkannenprinzip Hormone verschrieben bekamen, gibt man sie heute sehr individuell auf die Patientin zugeschnitten und nur dann, wenn es wirklich notwendig ist.

"Ärzte sollten Hormone nur empfehlen, wenn die Patientin unter den Beschwerden so leidet, dass ihre Lebensqualität eingeschränkt ist“, erklärt die Gynäkologin Dr. Silke Dabelstein aus München. Eine genaue Blutuntersuchung gibt Auskunft darüber, welche Hormone fehlen. Darüber hinaus sind die unterschiedlichen Symptome aufschlussreich:
Salbei lindert Beschwerden

Salbei lindert Beschwerden


Wenn sich Wasser im Körper einlagert und die Stimmung schwankt, dann fehlt das weibliche Geschlechtshormon Progesteron. Bei Schlafstörungen, Hitzewallungen und trockener Haut ist zu wenig Östrogene vorhanden. Wenn man besonders in der Körpermitte Gewicht zulegt oder dauernd müde ist, dann mangelt es an Testosteron. Ärzte verordnen in diesem Fall meistens die Vorstufe des männlichen Sexualhormons, das sogenannte AntiAgingHormon DHEA (Dehydroepiandrosteron).
Menopause: Helfer gegen Hitzewallungen Viele Frauen entscheiden sich während der Wechseljahre für pflanzliche Mittel. Besonders zu Beginn und bei leichten Beschwerden sind die Pflanzenprodukte hilfreich. Bei manchen Wirkstofen dauert es allerdings etliche Wochen, bis sie sich spürbar entfalten. Baldrian etwa erleichtert das Einschlafen und beruhigt bei gereizter Stimmung. Ein Teeaufguss mit Salbei hemmt die Schweißbildung, und Yamswurzel dämpft den Östrogenüberschuss zu Beginn der Wechseljahre.

Und schließlich können wir beim Thema Klimakterium viel von asiatischen Frauen lernen. Sie leiden weit weniger als westliche Frauen unter Beschwerden während der Wechseljahre, was vor allem mit ihrer Ernährung zu tun hat: Soja steht fast täglich auf dem Speiseplan und enthält pflanzliche Hormone (Isofavone).
Endometriose Bei gesunden Frauen ist das Innere der Gebärmutter von der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ausgekleidet. Siedelt sich solches Gewebe auch an anderen Stellen im Körper an, zum Beispiel an der Außenwand der Gebärmutter, an Eileitern und Eierstöcken oder an weiter entfernten Organen, dann spricht man von einer Endometriose. Diese Krankheit ist normalerweise nicht bedrohlich. Allerdings kann sich bei jeder Menstruation das Gewebe zusammenkrampfen und bluten, was heftige Schmerzen verursacht. Etwa zehn Prozent aller Frauen unter 50 Jahren leiden an Endometriose. "Warum es zu diesen Auswucherungen kommt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt“, weiß Dr. Dabelstein. "Allerdings spielen bei dieser Erkrankung die weiblichen Hormone die
Faszien
Was sind Faszien?

Und warum können sie Schmerzen verursachen?

Hauptrolle. Wenn in den Wechseljahren der Östrogenspiegel absinkt, dann bildet sich die Endometriose meistens ganz zurück“, so die Ärztin.

Eine sichere Diagnose ist leider gar nicht so einfach. Dazu sind die Symptome zu unterschiedlich. Charakteristisch ist der wiederkehrende Unterleibsschmerz. Die Beschwerden verschlechtern sich mit einem Maximum kurz vor oder während der Periodenblutung. Aber auch Blasenschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung können durch eine Endometriose bedingt sein. Manchmal wird die Erkrankung erst entdeckt, weil nach den Gründen für eine ungewollte Kinderlosigkeit geforscht wird. Endometriose gilt nämlich als häufige Ursache einer weiblichen Unfruchtbarkeit – ein Viertel aller unerfüllten Babywünsche geht auf diese Erkrankung zurück. Eindeutig diagnostizierbar ist sie nur durch eine Bauchspiegelung unter Vollnarkose. Dabei wird durch einen winzigen Schnitt der Bauchraum untersucht.Die gängige Terapie ist dann eine Operation, häufig ebenfalls mittels einer Laparoskopie, bei der das überflüssiges Gewebe entfernt wird. Die Endometriose ist eine chronische, immer wieder auftretende Erkrankung, eine vollständige Heilung ist bisher nicht möglich. Vorbeugen man ihr leider auch nicht.

Marina Jagemann