HolyGhost: Im Zeichen der Freundschaft

Jelena Hofmann und Sedina Halilovic kennen sich seit Kindheitstagen und leben ihren gemeinsamen Traum: Seit 2010 führen die beiden das Modelabel holyGhost. Wie die Arbeit unter besten Freundinnen funktioniert und ob die Münchnerinnen auch internationale Pläne haben, hat uns Jelena Hofmann im Interview verraten.

Sedina Halilovic und Jelena Hofmann sind holyGhost

Sedina Halilovic und Jelena Hofmann sind holyGhost

Madame.de: Wie kam es zu der Idee, ein eigenes Modelabel zu gründen?
Jelena Hofmann: Die entstand im Sommer 2009. Ich hatte gerade mein Studium in BWL absolviert und wusste nicht genau, in welche Richtung ich gehen wollte. Sedina war kurz vor ihrem Abschluss Mode Designmanagement an der AMD München. Wir wollten beide ins Unternehmertum. Ivana, die damals mit uns gegründet hat, war bereits seit Jahren im Berufsleben und arbeitete als Atelierleiterin in einem Maßbetrieb. Wir waren bis dahin schon jahrelang gut befreundet und hatten richtig Lust, etwas gemeinsam zu schaffen. Und so wurde holyGhost gegründet.

Euer Label ist aus München. Wie tickt die Stadt in modischer Hinsicht?
München ist im Kern sehr traditionell. Tracht, Dirndl, aber auch die Münchner "Alltagstracht" - bestehend aus bestimmten Labels zusammengestellt zu einem bestimmten Look - ist schon sehr uniformiert. So gesehen ist München modisch nicht die spannendste Stadt. Allerdings sind die Münchner über die Jahre viel mutiger geworden. Die letzten fünf Jahre gibt es immer mehr Menschen, die für einen ganz anderen Style stehen. Dennoch wird München nie die modische Relevanz besitzen wie Mailand oder Paris, das ist die Realität. 

Nie den Plan gehabt, hier wegzuziehen?
Ich würde gerne weg aus München - nicht, weil ich München nicht mag, es ist meine Heimat und eine wunderbare Stadt. Aber weil ich Abwechslung liebe und ein großer Freund großer Städte bin, würde ich doch mal gerne auch woanders mein Glück versuchen. Meine Partnerin Sedina kriege ich aber nicht weg aus München, und meinen Mann auch nicht. Somit bleiben wir hier - für´s Erste.
Die neue Kollektion von holyGhost entführt uns in den Orient

Die neue Kollektion von holyGhost entführt uns in den Orient


Wenn beste Freundinnen zusammenarbeiten – wie läuft das ab?
Bei uns sehr gut. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir schaffen es, uns zu einigen. Wir sind kompromissbereit und haben ein gemeinsames Ziel: mit holyGhost ein erfolgreiches Brand aufzubauen. Die Leute um uns herum wundern sich, wie wir auch noch abends miteinander abhängen und gemeinsam in den Urlaub fahren. Wir sind wie ein Ehepaar. Tatsache ist aber: Wenn wir arbeiten, sind wir in erster Linie Geschäftspartner. Da kommt die Freundschaft zu kurz, das holen wir dann in der Freizeit nach, und es wird nie langweilig. 

Was sind die größten Herausforderungen für ein junges Modelabel?
Geld und Know-How! Da muss man ehrlich sein – Geld ist der wichtigste Faktor. Man muss die ersten Jahre viel investieren: in das Produkt, ins Marketing, in Personal. Erst nach einigen Jahren fängt man an, in relevanten Mengen zu verkaufen. Das muss man erstmal durchhalten. Und das Know-How muss man sich anlernen. Wir hatten keinerlei Erfahrungen, keine von uns hat vorher schon einmal in einem Modeunternehmen gearbeitet. Das hat uns sicherlich auch viel Lehrgeld gekostet. Aber selbst mit einer gewissen Erfahrung ist das Unternehmertum doch etwas, was man in der Praxis lernen muss.

Rückblickend auf die letzten fünf Jahre: Gibt es etwas, das ihr anders machen würdet?
Sicher, vieles. Wir würden mit dem heutigen Wissen viele Fehler nicht machen. Aber so ist es doch immer – im Nachhinein ist man schlauer. Ich würde aber immer wieder mein eigenes Unternehmen gründen.

holyGhost Spring/Summer 2016


Schon zwei Jahre nach eurer Gründung habt ihr zum ersten Mal in Berlin gezeigt. Was war das damals für ein Gefühl?
Das war überwältigend. Ich werde niemals dieses Gefühl vergessen, als die Show um war und dieser unglaubliche Applaus über uns hereinbrach. Ich habe nichts gesehen, geblendet von den Scheinwerfern und der Ohnmacht. Wir haben alle so geweint als der ganze Druck abfiel, und dann wurde uns bewusst – es ist nicht vorbei mit dem Druck. Jetzt geht es erst richtig los! Da arbeitest du sechs Monate an etwas, es dauert ganze 12-15 Minuten, es zu zeigen, und dann entscheiden einige hundert Menschen in dem Moment über deinen Erfolg.
Jelena Hofmann und Sedina Halilovic bei der Berlin Fashion Week

Jelena Hofmann und Sedina Halilovic bei der Berlin Fashion Week


Habt ihr auch Pläne, mehr international zu machen?
Generell ja, konkretisiert ist aber noch nichts. Seit einigen Saisons sind wir in Paris präsent, allerdings nur mit einem Showroom und auf der Messe. Gerne würden wir auch eine kleine Präsentation in Paris machen. Copenhagen haben wir auch schon getestet und finden es super. Der Hauptfokus liegt zur Zeit aber auf der Stabilisierung und Ausweitung des Vertriebs in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Woher nehmt ihr eure Inspiration?
Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal kommt diese auf Reisen, beim Lesen, im Theater. Und manchmal im Arbeitsalltag aus einem Moment heraus. Mode ist ja auch ein Handwerk, da entscheidet sich viel auch beim Ausprobieren. Wir haben ein eigenes Atelier, in dem unsere Technikerinnen viele Probeteile nähen, und dann spielen wir damit – drapieren, schneiden, kürzen etc. So sind schon viele schöne Teile entstanden.

Welches Teil brauche ich 2016 unbedingt im Schrank?
Wenn es nach mir geht eine Culotte und eine weiße Bluse. Und für den Urlaub einen Kaftan. Generell viel weiß und nude. 

Wer ist die "holyGhost"-Frau?
Eine selbstbewusste und aktive Frau, die Mut zur Weiblichkeit beweist. Sie ist stark und straight, aber auch subtil sinnlich und ergreifend. Sie ist immer gut gekleidet, aber nie overdressed. Sie ist lässig cool, aber nicht cool um jeden Preis.

Und wie kam es überhaupt zum Namen des Labels?
Wir haben im Sommer 2009 einen lustigen Abend verbracht und viel gelacht. Im Rahmen einer Geschichte kam ein Geist vor, aus dem wurde der heilige Geist – und dann wurde daraus holyGhost. Eigentlich keine spannende Geschichte. Es war aber einer der typischen Momente in unserer Freundschaft, wir teilen einen Sinn für Humor, den nicht jeder versteht. Somit steht holyGhost auch für einen dieser Momente und für unsere Freundschaft.

Der schönste Runway der Berliner Fashion Week bei @holyghost_fashion #mbfw @nataliemanchot #haubentaucher #berlin #fashionweek

Ein von MADAME (@madamemagazin) gepostetes Foto am