Hautkrebs im Winter – So können Sie sich schützen

Wie schnell entsteht Hautkrebs und wie kann man sich im Winter besonders gut vor der Sonne schützen? Wir haben bei einer Chefärztin nachgefragt.

Vor allem die Kombination aus der grundsätzlich stärkeren ultravioletten (UV-)Strahlung in alpinen Gebieten und dem reflektierenden Schnee belastet die Haut

Vor allem die Kombination aus der grundsätzlich stärkeren ultravioletten (UV-)Strahlung in alpinen Gebieten und dem reflektierenden Schnee belastet die Haut

Hautkrebsrisiko im Winter
Weniger Falten: Sonnencreme kann Hautschäden reparieren
Weniger Falten

Sonnencreme kann Hautschäden reparieren


Wintersonne und Hautkrebs: Besonders für Wintersport-Liebhaber kann die Sonne in der Höhe gefährlich werden. Wir haben mit Dr. med. Sylke Schneider-Burrus, Chefärztin im Zentrum für Dermatochirurgie der Havelklinik Berlin gesprochen und nachgefragt, wie gefährlich die Sonne im Winter für die Haut wirklich ist.

Erhöhtes Hautkrebsrisiko im Ski- und Winterurlaub

madame.de: Wieso unterschätzen so viele die Gefahr von UV-Strahlung im Winter?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Meist ist das Bewusstsein für den Schutz der Haut vor Sonne im Winter so gut wie nicht präsent. In meinen Sprechstunden im Winter und Frühjahr sind viele Patientinnen und Patienten erschrocken, wenn ich bei einer Hautveränderung im Gesicht einen Tumor diagnostiziere und nach dem ganzjährigen Sonnenschutz frage. Während im Juli oder August beim Badeurlaub das Eincremen einfach dazu gehört, ist Lichtschutz auf der Piste oder im Schnee eher die Ausnahme. Sobald es draußen kälter wird, schätzen wir fälschlicherweise die Kraft der Sonne schwächer ein. Außerdem haben wir im Vergleich zum Sommer den Körper in dicker Kleidung eingepackt. Dass das Gesicht jedoch dauerhaft – egal in welcher Jahreszeit – unbedeckt ist, macht es besonders anfällig für Veränderungen, die durch Lichtexposition entstehen.

madame.de: Was sind die Ursachen für ein erhöhtes Hautkrebsrisiko im Winter (während des Wintersports)?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Hautkrebs, vor allem der helle Hautkrebs, entsteht grundsätzlich durch chronische Sonnenexposition. Je länger und je stärker ultraviolette Strahlen im Sonnenlicht auf die Haut einwirken, desto höher ist das Risiko für eine krankhafte Hautveränderung. Weil im Winter und vor allem im Ski-Urlaub der Sonnenschutz leicht vergessen wird, steigt entsprechend die Belastung. In den Hochgebirgen herrscht außerdem aufgrund klarerer Luft meist eine stärkere UV-Strahlung als im Flachland. Der Schnee reflektiert bis zu 80 Prozent des gesamten UV-Spektrums, sodass die Sonne nicht nur vom Himmel, sondern auch aus der unmittelbaren Umgebung auf die Haut einwirkt.

madame.de: Wie schlimm ist ein Sonnenbrand auf der Nase nach dem Skifahren wirklich?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Wenn sich die Haut nach der Sonnenexposition rötet, ist dies ein Zeichen für eine zu starke Sonnenbestrahlung und das Resultat in der Summe ein Lichtschaden der Haut. Hierbei spielt es für die Folgen des Sonnenbrands gar keine Rolle, ob man sich den Sonnenbrand im Sommer oder beim Skifahren im Winter zugezogen hat. Die Summe der Sonnenexposition spiegelt sich dann in frühzeitiger Hautalterung, vielen Falten, fleckiger Haut und schließlich in der Entstehung von Hautkrebs wieder.
 
madame.de: Ab wieviel Höhenmetern sollte man aufpassen?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Schon ab dem ersten. Dennoch gilt, je höher desto stärker die UV-Strahlung. Eine gute Faustregel besagt, dass pro 1.000 Höhenmeter die UV-Strahlung um etwa 20 Prozent im Vergleich zum Flachland zunimmt. Hinzu kommt die zusätzliche Belastung durch reflektierenden Schnee.
 

madame.de: Gibt es Unterschiede bei der Wahl der Sonnencreme zwischen Sommer und Winter?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Grundsätzlich sind wegen der Kälte, die die Haut zusätzlich austrocknet, fettreichere Cremes mit mindestens LSF 30 wässrigeren Lotionen vorzuziehen. Im Sommer am Strand hingegen sollte man auf wasserfeste Sonnenmilch achten. Einmal eincremen hilft weder im Schnee noch am Strand: Je nach Hauttyp sollte man rechtzeitig neuen Sonnenschutz auftragen. Der helle Hauttyp hat einen natürlichen Schutz von etwa 10 Minuten. Eine Creme mit Lichtschutzfaktor 30 verlängert diesen um das dreißigfache, also auf 300 Minuten. Schweiß, Wasser oder auch das Streichen über die Haut können jedoch den Schutz verkürzen.
 
Mit der ABCDE-Regel erkennt man die ersten Anzeichen für Hautkrebs
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus

madame.de: Woran erkennt man erste Anzeichen von Hautkrebs?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Der weiße Hautkrebs zeichnet sich meist durch trockene oder wunde Hautstellen aus, die auch nach Wochen nicht verschwinden wollen. Wenn an einer solchen Stelle durch einen Kratzer eine Wunde entsteht, wird diese nicht abheilen.
Beim schwarzen Hautkrebs hingegen, dem malignen Melanom, kommt es auf die Art von dunklen Pigmentveränderungen an. Um solche Hautflecken von normalen Leberflecken etwa zu unterscheiden, hilft die ABCDE-Regel: Erstens, sind die Flecken asymmetrisch (A)? Wie sind ihre Ränder begrenzt (B) – fransen sie beispielsweise aus? Hat ein Fleck unterschiedliche Farben (C wie colour)? Auch die Größe spielt eine Rolle: Der Durchmesser (D) sollte fünf Millimeter nicht überschreiten – was ungefähr dem stumpfen Ende eines Bleistifts entspricht. Letztlich sollten Patienten die Entwicklung (E) der neuen sowie bekannten Leberflecken oder Pigmentveränderungen beachten: Wächst er schnell? Hebt er sich von der Haut ab? Sollten zwei oder mehr dieser Fragen positiv beantwortet werden, sollte unbedingt ein professionelles Hautscreening beim Dermatologen erfolgen.“

madame.de: Was sollte man tun, wenn sich diese ersten Anzeichen zeigen?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Am besten zum Telefon greifen und einen Termin beim Hautarzt machen – oder direkt vorbeischauen. Wir können dann mit einem professionellen Hautscreening die Veränderungen genauer unter die Lupe nehmen. Im Zweifel plädiere ich als Ärztin dafür, lieber einen Fleck zu viel herauszuschneiden als einen zu wenig. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Melanom, also der schwarze Hautkrebs, nur an der oberen Hautschicht sitzt oder bereits tiefer gewachsen ist. Wenn der Tumor erstmal die Blut- oder Lymphgefäße erreicht hat, ist das Risiko um ein Vielfaches höher, dass die bösen Zellen im ganzen Körper weitertransportiert werden. Deshalb: Früh zum Arzt und achtsam auf die Haut schauen.
 

madame.de: Hautkrebs im Winter – wie gefährlich ist dieser Krebs wirklich?

Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Unter Hautkrebs fallen verschiedene Krebs-Erkrankungen, die an der Haut entstehen oder dort sichtbar werden. Die aggressivste Form ist der sogenannte schwarze Hautkrebs, das Maligne Melanom. Melanome sind meistens dunkle, braune oder schwarze Flecken auf der Haut, die häufig aus einem bereits vorhandenen Leberfleck entstehen. Die Erkrankung tritt in allen Altersstufen auf und verzeichnet unter den Hautkrebsarten die höchste Todesrate. Die verbreitetste Form ist allerdings der helle Hautkrebs. Dazu zählt vor allem das Basalzellkarzinom, aber auch das Plattenepithelkarzinom. Obgleich Basaliome so gut wie nie Metastasen bilden, können sie bei ausbleibender Behandlung zu großen Tumoren heranwachsen. Diese dringen in tieferliegende Gewebe ein und fressen zuweilen tiefe Defekte bis zum Beispiel die Nasenhöhle. Wichtig ist hier unbedingt die Früherkennung, um solche Spätschäden zu vermeiden. Die gängige Therapie bei einer Hautkrebserkrankung ist die chirurgische Entfernung der Tumore.

madame.de: Wie kann man sich am besten schützen?
Dr. med. Sylke Schneider-Burrus: Eincremen, eincremen, eincremen. Das gilt im Winter wie auch für den Rest des Jahres. Daneben gibt es auch physikalischen Sonnenschutz wie lichtdichte Kleidung und insbesondere Kopfbedeckungen, die gut vor UV-Strahlung schützen. Die Mittagssonne sollte man im Sommer wie im Winter besonders meiden, steht die Sonne nachmittags tiefer am Horizont, ist auch die UV-Strahlung geringer. Sonnenanbeter sollten sich außerdem unbedingt angewöhnen, sich lieber mal im Schatten als in der prallen Sonne aufzuhalten.“