Haarausfall: Welche Ursachen gibt es und wie kann man vorbeugen?

Zum Thema Haarausfall brennen uns gleich jede Menge Fragen unter den Nägeln! Die wichtigsten davon haben wir im Interview mit der Expertin gestellt. Die Antworten gibt's hier!

Wie viele Haare verlieren ist normal? Ab wann sollte man den Arzt aufsuchen? Und wie kann man Haarausfall vorbeugen? Wir haben bei Shirin Samimi-Fard, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie bei Derma Loft in Gladbeck, nachgefragt.
Madame: Der Verlust von wie vielen Haaren am Tag ist normal? Shirin Samimi-Fard: Ein Verlust von 50 bis 100 Haaren pro Tag ist völlig natürlich und noch kein Grund zur Sorge. Der Ausfall ist Teil des dreistufigen Zyklus, den das Haar regulär durchläuft. In der ersten Phase bildet sich eine neue Haarwurzel, die das Haarwachstum anstößt. Danach – in der Übergangsphase – lassen Nährstoffversorgung und Zellteilungsaktivität langsam nach und die Haarfollikel schrumpfen ein. Im letzten Schritt, der sogenannten "Ruhephase", stellt sich das Haarwachstum schließlich komplett ein und das Haar löst sich von der Haarwurzel: Es kommt zu Haarausfall. Dieser ist nicht bedenklich, solange das Verhältnis zwischen ausgefallenen Haaren und neuem Haarwachstum ausgewogen bleibt.
Ab wann spricht man von Haarausfall? Wenn Betroffene über einen längeren Zeitraum deutlich mehr als bis zu 100 Haare pro Tag verlieren, spricht man von medizinisch behandlungsbedürftigem Haarausfall. Dieser macht sich bei Frauen deutlich diffuser und oft langsamer bemerkbar. Ein klares Anzeichen ist immer dünner werdendes Haar sowie zunehmender Haarausfall im Scheitelbereich, der die Kopfhaut durchscheinen lässt.
Welche Ursachen kann Haarausfall bei Frauen haben? Die Ursachen von Haarausfall sind vielfältig: Von hormonellen Schwankungen bis hin zu Nährstoffmängeln, Nebenwirkungen von Medikamenten und einer Schilddrüsenüber- oder -Unterfunktion ist alles möglich. In manchen Fällen sind die Ursachen für Haarausfall auch genetisch bedingt. Der Dermatologe spricht dann von "androgenetischer Alopezie". Eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem männlichen Sexualhormon Dihydrotestosteron führt in diesem Fall zu einer verkürzten Wachstumsphase der Haare. Mit jedem Zyklus werden die Haare dünner und sterben schließlich mitsamt der Haarwurzel vollständig ab.

Neben dem erblich bedingten Haarausfall sorgen bei Frauen vor allem hormonelle Schwankungen für einen verstärkten Verlust der Kopfhaare, zum Beispiel nach einer Schwangerschaft oder während der Wechseljahre. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen reguliert sich der Hormonhaushalt danach von selbst wieder und der Haarausfall verschwindet. Wichtig ist in jedem Fall, die Ursache von einem Spezialisten abklären zu lassen, um die Behandlung auf die individuelle Haarsituation abzustimmen.

Können bestimmte Styling-Gewohnheiten Haarausfall begünstigen? Dass gewisse Pflege- und Styling-Gewohnheiten Haarausfall begünstigen, stimmt nur  bedingt: Ein häufiges Styling und die falsche Pflege können zwar zu dünnerem Haar und einer schlechteren Haarqualität führen – als Folge tritt allerdings kein Haarausfall im medizinischen Sinne auf, sondern Haarbruch, der durch eine veränderte Haarstruktur ausgelöst wird. Auch vom Glätten oder Färben fallen in der Regel keine Haare aus.

Ein paar Tipps für schönes Haar würde ich Frauen dennoch ans Herz legen: Achten Sie darauf, dass die Föhn-Temperatur nicht zu heiß eingestellt ist und lassen Sie Haarfärbungen nur vom Fachmann durchführen. Für zu Hause sind Tönungen eine sanfte Alternative, da sie nur in die äußere Schuppenschicht der Haare eindringen und die Haarfarbe nur temporär ändern. Auch von zu straffen Zöpfen rate ich ab: Sie können tatsächlich zu vermehrtem Haarausfall und einem Zurückgehen der Haargrenze führen. Außerdem sollten Sie auf zu häufige Haarwäschen besser verzichten, denn das entzieht dem Haar wichtige Nährstoffe.

Welche präventiven Maßnahmen gibt es? Ein ganzheitlicher Ansatz, der eine gesunde Ernährung und Stressbewältigung genauso berücksichtigt wie medizinische Haarpflegeprodukte, ist die beste Prävention gegen Haarausfall. Auf diese Weise beugen Sie einer Übersäuerung und einem Mineralstoffmangel des Körpers vor, der eine grundlegende Ursache für Haarausfall darstellt. Was medizinische Haarpflegeprodukte betrifft, so sind  Haarseren wirksam, die den Wirkstoff Minoxidil enthalten. Allerdings sind sie mit Nebenwirkungen wie starkem Juckreiz auf der Kopfhaut und Herz-Kreislauf-Beschwerden verbunden und daher nur  bedingt empfehlenswert.

Eine schonende Alternative zur Stärkung der Haarwurzel sind Produkte, die den körpereigenen Wirkstoff Thiocyanat enthalten. Das Molekül, das in jeder Zelle unseres Körpers enthalten ist, begünstigt Wachstums- und Zellteilungsprozesse und trägt maßgeblich zu einem ausgeglichenen Haarzyklus bei. Da es sich bei Thiocyanat um ein körpereigenes Molekül handelt, verursacht es keinerlei Neben- und Wechselwirkungen und greift nicht in den Hormonhaushalt ein.

Kann man mit einer bestimmten Ernährung vorbeugen? Ja, das ist in gewissem Maße durchaus möglich. Eine eiweiß- und vitaminreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Nüssen, Samen und Kernen stärkt das Haar. Was vielen nicht bewusst ist: Genauso wie unsere Haut, ist auch das Haar nicht vor Alterserscheinungen gefeit. Daher ist es ratsam, möglichst viele Nahrungsmittel, die reich an Vitamin C sind, in den Speiseplan zu integrieren. So beugen Sie der Alterung der Zellen vor und sorgen für einen Neuaufbau von Kollagen. Ein geeigneter Lieferant ist die schwarze Johannisbeere. Auch Walnüsse, Haferflocken und Möhren tragen zur Haargesundheit bei. Sie sind reich an Biotin, das nicht umsonst auch "Vitamin H" genannt wird. Verschiedene Kohlsorten (Blumenkohl, Broccoli, Rot- und Grünkohl, Kohlrabi und Wirsing) sowie Kichererbsen, Süßkartoffeln und Limabohnen tun ihr Übriges, denn sie enthalten Thiocyanat in großen Mengen.

Besteht die Gefahr, dass Haare nicht mehr nachwachsen?
Voraussetzung für gesundes Haarwachstum ist, dass die Haarwurzel noch intakt ist. Keine revitalisierende Behandlungsmethode kann mehr helfen, wenn die Haarwurzel kein neues Haar mehr produzieren kann. Weder das körpereigene Molekül Thiocyanat noch Minoxidil noch irgendein anderer Wirkstoff können dann noch helfen. Deshalb ist es umso wichtiger, schnellstmöglich nach Beginn des Haarverlusts Ihren Arzt zu Rate zu ziehen, um die Ursache für das Leiden abzuklären und das Haarwachstum mit der richtigen Therapievariante anzuregen, bevor die Haarwurzel vollständig abstirbt und das Haar unwiederbringlich verloren ist.

Ab wann ist Haarausfall Thema für den Arzt?
Wenn über einen längeren Zeitraum täglich deutlich mehr als 100 Haare ausfallen, sollten Sie umgehend aktiv werden und sich den Rat eines Facharztes einholen. Mit dem speziellen Tricho-Scan-Verfahren kann er Haardichte und Haarwurzelstatus näher bestimmen und das betroffene Kopfhautareal analysieren. Ist der Anteil an Haaren in der Ruhe- oder Ausfallsphase erhöht, besteht Handlungsbedarf. Weitere Einblicke ermöglichen Biopsien und Blutuntersuchungen.

Wie kann man Haarausfall behandeln?
Der Wirkstoff Minoxidil, der in frei verkäuflichen Anti-Haarwuchsmitteln aus der Apotheke enthalten ist, kann Haarausfall effektiv stoppen, ist allerdings aufgrund der eben schon erwähnten möglichen Nebenwirkungen und seiner hormoneller Wirksamkeit nur eingeschränkt empfehlenswert. Der freiverkäufliche Wirkstoff Thiocyanat stellt aufgrund seiner natürlichen Wirksamkeit eine schonende Alternative dar, die sich im Gegensatz zu Minoxidil auch zur Anwendung in der Schwangerschaft, Stillzeit und während der Menopause eignet. Oxidativer Stress und Entzündungsprozesse werden reduziert, das Haarwachstum auf sanftem Wege angeregt und Haarverlust nachhaltig gestoppt. Die Wirksamkeit ist durch eine klinische Studie nachgewiesen worden.

Was bringen Pflegeprodukte mit Koffein, Kieselerde, Vitamin D & Co.? Können sie tatsächlich Haarwachstum anregen?
Die Wirksamkeit von Vitamin D ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Fest steht allerdings, dass das Vitamin viele Stoffwechselvorgänge im Körper vorantreibt. So beeinflusst es den Kalzium- und Phosphorhaushalt positiv. Und obwohl noch nicht abschließend geklärt ist, dass ein Mangel an Vitamin D zu Haarausfall führen kann, deutet vieles darauf hin. Der Grund: Vitamin D transportiert Testosteron zum Muskel. Kommt es zu einem Mangel, wird das überschüssige Testosteron in der Kopfhaut gespeichert und in Dihydrotestosteron umgewandelt, das die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D kann also in gewissem Maße vorbeugend gegen Haarausfall wirken.

Gleiches gilt für Kieselerde. Der hohe Siliziumgehalt stärkt nicht nur das Bindegewebe, sondern kräftigt auch Haare und Nägel. Doch Vorsicht: Einige Nahrungsergänzungsmittel mit Kieselerde, enthalten gesundheitlich bedenkliche Mengen an Blei. Daher rate ich Frauen, besser auf Nahrungsmittel zu setzen, welche die Mineralien natürlich enthalten (Gerste, Hafer, Kartoffeln, Paprika und Spinat).

Was Koffein betrifft, so konnte die Wirkung bereits wissenschaftlich nachgewiesen werden: In einem Versuch, in dem Testosteron auf der Kopfhaut mit Koffein angereichert wurde, ließ die Haare wieder sprießen. Koffein eignet sich demnach tatsächlich als unterstützender Wirkstoff, um neues Haarwachstum anzuregen. Handelt es sich jedoch um die anlagebedingte Form des Haarausfalls, hilft keines dieser Vitamine oder Spurenelemente, denn diese sind darauf ausgelegt, einen Nährstoffmangel auszugleichen. Liegt dieser nicht vor, ist die Einnahme hinfällig.