Die Grinberg Methode

Das Geheimnis der Grinberg Methode: Ängste und Schmerzen als Verbündete betrachten auf dem Weg zur Heilung psychischer und physischer Probleme

Grinberg Methode Yoga strand

Bei der Grinberg Methode sind Berührungen und Körperarbeit ein wesentlicher Faktor

Durch Körperwahrnehmung Stress abbauen Die nach dem Israeli Avi Grinberg benannte Methode ist zwar schon über 30 Jahre alt, erfährt aber erst in letzter Zeit nicht nur bei dern Anhängern von alternativen Heilverfahren große Beachtung. Mit der Technik, die die englische Zeitung "The Guardian" als "eine Art Physiotherapie für psychische Probleme" beschrieben hat, lernt man, sich zu entspannen, sich besser zu konzentrieren, Stresssituationen leichter zu managen und mit Ängsten und Schmerzen umzugehen

Kurz: Die Grinberg Methode zielt sowohl auf körperliche wie auf mentale Probleme. Entsprechend werden Körper und Geist als Einheit gesehen und in den Therapiesitzungen immer gleichzeitig behandelt. Vor allem Menschen mit chronischen Beschwerden lässt sich dadurch nachhaltig helfen. Ein wichtiger Grundsatz der Methode lautet, Schmerzen und Ängste nicht zu vermeiden, sondern sie zuzulassen und anders darauf zu reagieren, als man es in der Vergangenheit getan hat. Wie das funktioniert? Ein Expertengespräch mit zwei ausgewählten Grinberg-Praktikern.
Interview mit zwei Grinberg-Praktikern MADAME: Was genau versteht man unter der Grinberg-Methode?

Claudia Glowik: Diese Therapieform geht davon aus, dass sich wiederholende Verhaltensmuster im Körper ein Ungleichgewicht auslösen können. Die Muster trennen uns sozusagen von unserem Körper, sie verursachen Schmerzen und Beschwerden. Deshalb sollen durch verschiedene Techniken eingefahrene Denkmuster aufgespürt und aufgelöst, kraftraubende Situationen erkannt, bearbeitet und gestoppt werden. 

MADAME: Was passiert in der ersten Sitzung?

Mirjam Köglsperger: Beim ersten Termin macht der Grinberg-Praktiker eine detaillierte Fußanalyse. Die Füße spiegeln sehr genau Blockaden und Dysbalancen im Körper. Stress, Angstzustände oder Schmerzen hinterlassen auf den Fußsohlen ihre Spuren, erkennbar an Farbe, Temperatur und Hautbeschafenheit. Rote Füße deuten beispielsweise auf geistige Überanstrengung oder Entzündungen im Körper hin.

MADAME: Welche Rolle spielt das Gespräch?

Mirjam Köglsperger: Es kann, muss aber während der Behandlungen nicht gesprochen werden. Wobei in der ersten Sitzung meist auch verbal analysiert wird, welche Beschwerden konkret vorliegen. Die Grinberg Methode ist allerdings kein Ersatz für psychologische oder medizinische Diagnosen und Behandlungen. Sie versteht sich eher als Anleitung zur Selbsthilfe.

MADAME: Und wie funktioniert das?

Claudia Glowik: Die meisten Menschen haben sehr eingefahrene Lebensgewohnheiten und Verhaltensmuster: Sie stehen, sitzen oder schlafen beispielsweise in bestimmten Positionen. Genauso gibt es festgefahrene Muster in unseren Gedanken und Gefühlen, die sehr oft einschränkend wirken. Indem man dem Körper mehr Aufmerksamkeit schenkt, können diese Gewohnheiten positiv verändert werden.

MADAME: Wie sieht das konkret aus?

Claudia Glowik: Der Atem spielt eine zentrale Rolle. Durch intensives und gezieltes Ein- und Ausatmen soll der Körper seelischen Ballast abwerfen. Außerdem werden Berührungen, sanftes Drücken auf verschiedene Körperstellen mit Techniken aus der klassischen Massage, Akupressur und Shiatsu kombiniert. Das soll Blockaden lösen und die Achtsamkeit stärken. Es gibt allein über 200 Berührungsformen.



MADAME: Ist das so einfach, wie es sich anhört?

Mirjam Köglsperger: In der Regel ja. Die meisten Klienten haben ja eine große Bereitschaft, bestimmte Zustände oder ihnen lästige Verhaltensmuster zu ändern.

MADAME: Wie darf man sich das vorstellen?

Mirjam Köglsperger: Stress hat zum Beispiel oft mit emotionalem Ungleichgewicht und körperlicher Anspannung zu tun. Ziel der Therapie ist es, Stressabbau durch spezielle Entspannungstechniken zu lernen und dadurch einen neuen Umgang mit dem persönlichen Stressmuster zu fnden sowie sich darin zu üben, ein neues, freies Denken zuzulassen.

MADAME: Sie sprechen von Klienten, nicht von Patienten. Ist das eine bewusste Formulierung?

Claudia Glowik: Ja, diese Bezeichnung wird von allen Grinberg-Praktikern verwendet, denn Patient zu sein heißt, passiv zu sein. Und wir möchten mit unserer Arbeit ja genau das Gegenteil erreichen, nämlich dass unsere Klienten wieder mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen und festgefahrene Verhaltensmuster über Bord werfen.

MADAME: Muss man an etwas glauben, damit die Methode funktioniert?

Claudia Glowik: Nein. Die Grinberg-Methode hat weder einen ideologischen oder moralischen noch einen religiösen Bezug. Es soll vielmehr ganz pragmatisch gelernt werden, wie man Veränderungen in den Alltag integriert.

MADAME: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Mirjam Köglsperger: Etwa die Angst nicht als Gegner zu begreifen, sondern sie im Körper fließen zu lassen, sodass sie uns stärkt, statt uns zu lähmen. Oder den Willen konsequent wie einen Muskel zu trainieren.

MADAME: Wird die Therapie nur in Einzelstunden angeboten?

Mirjam Köglsperger: Es gibt auch Gruppenstunden oder Workshops, die sich einem konkreten Problem, wie beispielsweise dem Tema Stressabbau, widmen.

MADAME: Und schließlich, was kostet eine Sitzung?

Mirjam Köglsperger: Das kommt auf den Erfahrungshintergrund des Behandlers an. Die Preise können zwischen 50 und 120 Euro pro Stunde variieren.

Marina Jagemann