Digitaler Stress: So schadet er wirklich Ihrem Körper

Noch schnell eine WhatsApp schreiben, nebenbei den Facebook-Feed checken und dann ab zur Arbeit. Erkennen Sie sich hier wieder? Entspannungs- u. Stressmanagement Trainerin Annette Friedrich klärt auf, wie sich Instagram & Co. wirklich auf den Körper auswirken.

digitaler Stress

Eine Expertin klärt auf, was Instagram & Co. wirklich in unserem Körper auslöst

Der Druck, "up-to-date" zu sein FOMO – The „fear of missing out“ ist bereits bekannt und kein Geheimnis mehr. Die Angst, offline und folglich unerreichbar zu sein versetzt den Körper in einen akuten Stresszustand. Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt auf, dass die Kommunikation über Whatsapp & Co. für 85 % der 18-29-Jährigen zum Alltag dazugehört, selbst bei den 40-49-Jährigen sind es noch 58 %. Wer Social Media im Alltag nutzt, hat eine zusätzliche Aufgabe: Man schaut nicht nur öfters aufs Display, sondern postet auch selber etwas. Der Freundin schnell mitteilen, wie wunderschön das blaue Meer an der Amalfi-Küste ist? Fix ein Instagram-Foto hochladen, unzählige Hashtags setzen et violà: Auftrag erledigt. In uns entsteht ein sozialer Druck, der folglich Stress verursacht. Können wir gar nicht anders?
Eine frühere Studie der British Telecom ergab, dass das erste Mal online sein so stressig ist, wie ein Fallschirmsprung! 
BBC News, 2007
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„Die Reaktion im Körper auf digitalen Stress und Alltags- oder Beziehungsstress ist dieselbe“, erklärt Stresscoach Annette Friedrich. Social Media sei demnach absolut stressfördernd. Zwar steige die Aufmerksamkeit durch digitales Daueronline-sein, aber die Fähigkeit für komplexere Gedankengänge nimmt drastisch ab. Was das bedeutet? Die Kreativität bleibt auf der Strecke!

Sie kennen das wahrscheinlich: Sie sind gerade auf dem Weg zur U-Bahn, da zeigt der Handyakku nur noch schlappe 20 % an. Die einen bleiben gelassen, die anderen verfallen in Panik und bekommen Herzrasen. Annette Friedrich erklärt, was in genau dieser Situation mit dem Körper passiert: „Wenn ich denke: oh, Gott, der Akku ist gleich alle und vor heute Abend kann ich ihn nicht aufladen…kann nicht erreicht werden…was denken die anderen, wenn ich nicht dabei bin…bin ich dann raus?....ich verpasse ja alles – Dann werde ich vermutlich echten Stress haben. Unser Gehirn stuft die Situation als „ausgeliefert“, „hilflos“ und „Überforderung“ ein. Das bedeutet: Herzrasen, der Blutdruck steigt an, die Muskeln verspannen, die Verdauung ist gestört, der Adrenalinspiegel steigt an, die Konzentrationsfähigkeit lässt nach.“
Ein Instagram-Foto rechtzeitig zu posten, löst die gleiche Art von Angst aus wie die Jagd nach Rabatt-Gutscheinen
Annette Friedrich, Entspannungs- und Stressmanagementtrainerin

Wie gesundheitsgefährdend Social Media Stress wirklich ist, lässt sich perfekt an einem anderen Beispiel zeigen. Für den Körper ist ein optimaler Ausgleich zwischen An- und Entspannung, Erholung und Stress notwendig. Wenn man im Arbeitsalltag viel Zeit mit Sitzen verbringt, dann braucht der Körper im Ausgleich hierzu viel Bewegung. Eine Nicht-Beachtung kann zu Rückenschmerzen und Trägheit führen. Genauso verhält es sich mit den sozialen Medien.
Annette Friedrich erklärt: „Kurzzeitig unter Stress zu stehen, ist nicht gesundheitsgefährdend. Unser vegetatives Nervensystem ist darauf ausgelegt, uns für Herausforderungen und unsere Aufgaben angemessen zu aktivieren und kann dies auch erstaunlich lange aufrechterhalten. Es sorgt aber auch dafür, dass wir uns in Ruhezeiten ausreichend erholen.“
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Social Media Addicts verwechseln Ablenkung mit Entspannung
Annette Friedrich

Online sind die Menschen in der Lage, anonym zu sein und bestimmte Gefühle und Stimmungen vorzutäuschen. Sie sehen Social Media als Gelegenheit, sich zu entspannen und den Alltag entfliehen zu können. „Sich wirklich mit sich selber zu beschäftigen ist für viele inzwischen ungewohnt und unbequem. Dabei sollten wir, um zu entspannen, gerade die Aufmerksamkeit AUF uns statt Ablenkung VON uns richten“, so Stresscoach Annette Friedrich. Wie das gelingt? Versuchen Sie sich an kleinen Selbstexperimenten und richten Sie „Offline-Zeiten“ ein. Der Körper geht zunächst auf Entzug, wird sich jedoch nach und nach daran gewöhnen.