Die Snake-Diät: Ist uns eigentlich noch zu helfen? Ein Kommentar

Die "Snake-Diät" ist der neueste Trend aus Amerika. Wir ärgern uns sehr darüber und erklären mithilfe einer Ernährungsexpertin, was dabei mit dem Körper passiert.

Essen wie eine Schlange
Clean Eating: besser und gesünder essen
Clean Eating

Besser und gesünder essen


Diät – ein ausdrucksstarkes Attribut das beinahe 27 Millionen Treffer auf Google hat, unzählige Bücher mit „wertvollen“ Tipps füllt und eine Ernährungsphase darstellt, die mindestens jeder zweite schon einmal in seinem Leben ausprobiert hat.

Diäten erfinden sich ständig neu und sind immer im Trend – zumindest diese zwei Aspekte lassen sich wirklich bestätigen. Ob Diäten sinnvoll sind und das Ergebnis erzielen, was sie versprechen kann meistens auch anhand diverser Studien nicht 100%ig belegt werden. Ketogene Diät, Eiweiß-Diät, Lowcarb-Diät, FDH-Diät, Wasser-Diät, … – ach was haben wir nicht schon alles gelesen oder selber ausprobiert.

Seit geraumer Zeit kursiert nun folgender „Diät-Trend“ um die Welt: Die Snake-Diät. Sollen wir alles in einem Happen runterschlingen und warten, bis es verdaut ist? Sollen wir vielleicht aufs Kauen verzichten? Oder muss sich unser Körper erst um das Dreifache ausdehnen, bevor wir abnehmen können? Diese Bilder gehen durch meinen Kopf, als ich das erste Mal mit dem Begriff konfrontiert wurde. Doch weit gefehlt! Die Snake-Diät beruht auf dem Prinzip, nur an ausgewählten Tageszeiten Nahrung zu konsumieren und lange damit auszukommen. Wie die Schlange. Aha.

 
Die Diät-Phasen

Die Diät gliedert sich in drei Phasen ein, die zum Wunschgewicht führen sollen. In der ersten Phase fastet man für 48 Stunden und darf lediglich Apfelessig zu sich nehmen. Das Ziel des Ganzen: Den Körper entgiften – auf ziemlich radikale Art und Weise (Anmerkung der Redaktion).


In der zweiten Phase darf man nun Nahrung zu sich nehmen. Woraus genau diese bestehen soll, sprich in welchem Verhältnis von Makronährstoffen, wird nirgendswo deutlich erwähnt. Allerdings wird deutlich, dass diese Phase viel Disziplin und Selbstbeherrschung mit sich bringt (und von Natur aus wohl weniger Hunger), denn es ist nur eine Mahlzeit pro Tag erlaubt. Anschließend steht wieder für 24 Stunden Fasten an. Diese Phase soll den Prozess des Abnehmens beschleunigen.
Wer jetzt glaubt, es kann in der dritten Phase nur besser werden dem sei gesagt: Wird es! Also zumindest ein wenig…
Gesunde und leichte Ernährung stehen hierbei auf dem Plan, proaktives Essen ist der Schlüssel zum Erfolg. Dies bedeutet, dass Mahlzeiten geplant und eingehalten werden, man am besten ohne Ablenkung isst und keine Kompromisse eingeht. Spontan Lust auf ein Pasta-Date? Vergessen Sie es lieber sofort! Diese Phase kann solange durchgezogen werden, wie gewünscht – oder wie stark das Durchhaltevermögen ist…

Die Risiken der Snake-Diät

Ich bin keine Ernährungsberaterin aber diese sogenannte „Snake-Diät“ hat in meinen Augen keinen Sinn. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass kein detailliertes und genaues Ernährungskonzept vorliegt, sondern die drei Phasen auch ziemlich fragwürdig sind. Besonders Phase zwei sollte gut durchdacht sein. Unabhängig davon, wie sättigend die Mahlzeit sein wird ist dieser strikte Ernährungsplan nicht gesund und kann zu Mangelerscheinungen und gesundheitlichen Problemen führen.

Um die Folgen dieser Diät genauer betrachten zu können, haben wir mit Birgit Engert, einer renommierten Ernährungsberaterin und Personal Trainerin von HAPPY’NESS aus München gesprochen.
Diese Diät ist definitiv nicht zu empfehlen
Birgit Engert, Ernährungscoach

Birgit Engert erklärt, dass es durchaus sinnvoll sein kann, mit 1-2 Tagen zu starten, die sehr extrem sind, wie in diesem Fall das Fasten. Dies informiert den Körper und der Psyche, dass ein Umschwung stattfindet. Doch Vorsicht: „Extrem“ ist immer eine Frage der Definition: „Ich empfehle hier immer gerne 3 Tage möglichst clean zu essen und auf Zucker und Zusätze zu verzichten. Je nach Körper-/Stoffwechseltyp macht es auch Sinn, an diesen Tagen Kohlenhydrate wegzulassen. Das passt aber definitiv nicht zu jedem.

Das große Problem dieser Diät ist die Fastenphase: Bekommt der Körper nicht regelmäßig Energie in Form von Nahrung, so stellt sich der Stoffwechsel um und kann sich stark verlangsamen, der Grundumsatz sinkt. Birgit Engert erklärt: „Es heißt zwar, man kann in dieser einen Mahlzeit alles essen, was man für den ganzen Tag braucht, aber ganz ehrlich - wer schafft es mit vernünftigem Essen über 2000 kcal in einer einzigen Mahlzeit in sich hinein zu stopfen? Von essen kann hier leider nicht mehr die Rede sein.


Zudem verbietet diese Phase der Diät auch Ausnahmen. Jede Ausnahme, die dennoch gemacht wird, fällt sehr stark ins Gewicht, da der Körper diese Nahrung aus Angst bunkert. Auch die Psyche wird schnell darunter leiden: „Ein weiteres Problem der langen Fastenphasen: Es macht einfach keinen Spaß und man hat meiner Ansicht nach den ganzen Tag mit den Gedanken zu kämpfen, wann es endlich wieder etwas zu essen gibt. Das beeinflusst die Psyche und verhilft nicht wirklich. zu einem „normalen“ und entspannten Essverhalten zu finden.“

 
Die dritte Phase ist laut Birgit Engert diejenige, die am meisten Sinn hat. Das Problem ist jedoch die vorherige starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme. Gerade nach einer längeren Fastenphase fällt es vielen schwer, bewusst, langsam und achtsam zu essen. Denn hat man gerade ein paar Tage Verzicht hinter sich, stürzt man sich eher auf all das, was gerade noch verboten war, so Birgit Engert.


So nimmt man schnell und bewusst ab

Diäten implizieren immer einen schnellen Gewichtsverlust und sind daher niemals empfehlenswert.
Der Tipp der Ernährungsexpertin: Sich möglichst auf natürliche und unverarbeitete Lebensmittel zu konzentrieren, bewusst zu essen und darauf zu achten, wann man wirklich Hunger hat und wann man satt ist. Heutzutage ergeben sich viel zu viele Möglichkeiten so dass wir ständig essen, auch wenn gar kein Hunger.

Oft wird einfach nur Langeweile oder Stress gegessen, weil gut riechende Brezn angeboten werden oder der Geburtstagskuchen der Kollegin auf den Tisch kommt, den man aus Höflichkeit isst. Birgit Engert lehrt hier das Prinzip der Somatischen Intelligenz, die uns angeboren ist und uns genau sagt, wann wir was zu essen brauchen und wie viel davon.

Verbote sollten möglichst vermieden werden, man sollte sich ruhig auch mal etwas gönnen, gemäß dem 80/20 Prinzip: Wer sich zu 80% gesund und ausgewogen ernährt, darf bei den restlichen 20% auch mal schludern. Mir ist die Psyche immer besonders wichtig, denn durch zu viele Diäten haben viele den Spaß am Essen verlernt.