Das passiert mit dem Körper, wenn man eine Crash Diät macht

Crash-Diäten sind ungesund, so viel wissen wir. Was genau mit dem Körper passiert, wenn man eine sogenannte Blitzdiät macht, erfahren Sie hier.

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Crash-Diäten sind eine beliebte Methode, um sich innerhalb von drei Tagen eine Kleidergröße schlanker zu essen. Das Kleid soll schließlich passen. Irgendwann hat bestimmt jeder schon einmal eine solche Diät ausprobiert und eventuell sogar ziemlich schnell Erfolg damit gehabt. Gesundheitliche Folgen? In vielen Fällen offenbar völlig irrelevant, solange man den Reißverschluss zuziehen kann.

 
Gegenüber dem US-Online-Magazin BYRDIE hat Filip Koidis BSc (Hons.), RD, Ph.D.c,, Ernährungswissenschaftler und Gründer von W1 Nutritionist,  erklärt, was genau mit unserem Körper passiert, wenn wir Crash-Diäten durchführen – und das schon nach zwölf Stunden oder einem Monat.
 


Was sind Crash-Diäten?

Crash-Diäten - auch bekannt unter dem Synonym Blitzdiäten - versprechen, innerhalb kurzer Zeit mehrere Kilos zu verlieren. Hierbei sind verschiedene Maßnahmen möglich, wie beispielsweise auf feste Nahrung zu verzichten, nur Obst zu essen, eine Saftkur einzulegen, usw. Wichtig: Crash-Diäten sollten wenn überhaupt nur über einen sehr kurzen Zeitraum angewandt werden.
 
Wer diese Zeilen liest, wird sich bereits denken, dass dieser schnelle Gewichtsverlust mithilfe einer plötzlichen Nahrungsumstellung nicht gesund sein kann.
Koidis erklärt, dass Crash-Diäten sehr häufig zu miserablem Essverhalten führen können (z.B. Überessen oder Binge-Eating) und auch emotionalen Stress auslösen. Dies sei genau der Grund, weshalb man „Crash“-Diät sagt – der Körper bricht emotional unter diesem Verhalten zusammen.

Symptome infolge einer Crash-Diät


Deshalb kommt es laut dem Ernährungswissenschaftler in vielen Fällen gleich zu Beginn einer solchen Diät zu folgenden Symptomen:
 

1. Der Körper reduziert die Energie, die er benötigt, um Nahrung zu verdauen (sobald man weniger isst)

2. Der Stoffwechsel nimmt rasant ab, wenn man an Gewicht verliert

3. Der Körper absorbiert die volle Ladung an aufgenommenen Kalorien, während er im Normalzustand nicht alles absorbieren kann

4. Das Hungergefühl nimmt zu

5. Die Wärmeproduktion im nicht-aktiven Zustand nimmt ab
 

Schon allein beim Durchlesen dieser Reaktionen fällt auf, dass eine Crash-Diät keinesfalls mit Wohlbefinden einhergehen kann. Und das ist längst nicht alles. Im Interview mit BYRDIE.com zeigt Koidis auf, was mit dem Körper bereits nach 12 Stunden passiert oder passieren könnte, wenn man eine Crash-Diät über einen längeren Zeitraum durchführen würde (der Wille und die Kraft für diesen Weg wären beinahe bewundernswert).

12 Stunden Crash-Diät

In den ersten 12 bis 18 Stunden bereitet sich der Körper nach Angaben des Experten auf den „Ich-muss-hungern“-Modus vor und verbraucht so viel gespeicherte Energie (Glykogen) wie nur möglich.“


24 Stunden Crash-Diät

Wenn die Energie größtenteils aufgebraucht ist, steigt der Cortisol-Level an. Dies führt dazu, dass der Körper mehr Wasser für sich behält und einen somit aufgeblähter aussehen lässt, als man eigentlich ist.

48 Stunden Crash-Diät

Zu diesem Zeitpunkt hat der Körper laut Koidis so gut wie alle Energie-Ressourcen geleert und ist nicht mehr in der Lage, den Unterschied zwischen Hungern und Mangel zu erkennen, sodass der Stoffwechsel heruntergefahren wird, um Energie zu sparen.

 
Bemerkenswerter Reminder: Unser Körper hat einen unglaublichen Überlebensinstinkt der es uns erlaubt, unsere Energie komplett einzusparen. Dies führt dazu, dass wir träge werden und es ermöglicht, Fett schnell einzuspeichern (Fett hat mehr Energie).


72 Stunden Crash-Diät

Zu diesem Zeitpunkt werden keine Kalorien mehr verbrannt, da der Stoffwechsel quasi am Ende seiner Kräfte ist. Hinzu kommt, dass sich nun das Muskelgewebe zurückbildet. Auch an der Schilddrüse geht die Crash-Diät nicht ohne weiteres vorbei: Die Funktion der Schilddrüse ist beeinträchtigt, der Adrenalin-Ausstoß nimmt ab, sodass man sich geistig und körperlich erschöpft fühlt.

Eine Woche Crash-Diät

Das erste, was man in der Anfangszeit verliert, ist Muskelmasse, erklärt der Experte. Ab diesem Moment nimmt auch die Aufnahme von Proteinen, B12 und Eisen ab, sodass das mentale Bewusstsein abnimmt und das Immunsystem geschwächt wird. Das Besessen-Sein vom Essen bestimmt zunehmend den Alltag: „Wann darf man endlich wieder etwas essen?“. Die Gedanken kreisen nur noch um dieses eine Thema.

 
In dieser Zeit wird der Heißhunger gefühlt durch die Decke gehen, da sich vermehrt appetitanregende Hormone wie Ghrelin und Neuropeptid Y bilden, sodass es zu Essanfällen kommen kann.

1 Monat Crash-Diät

Von diesem Moment an, ist man „hangry“. Der Hunger macht einen wütend und sorgt für Stimmungsschwankungen, der Körper schreit nach Energie. Die Folge: Man konsumiert unkontrolliert Dinge durcheinander, um sich zu beruhigen.


6 Monate Crash-Diät

Koidis erklärt: Wer es (leider) bis hierhin geschafft hat, ohne zwischendurch im Krankenhaus zu landen und irreparable Schäden an seinem Körper davonzutragen, der sollte jetzt nur noch ein Ziel haben: An Gewicht zunehmen!

Da man viel an Muskelmasse verloren hat, wird der Körper zu einer Fett-absorbierenden Maschine: Er will so schnell wie möglich die Energiereserven auffüllen. Die Fettzellen des menschlichen Körpers haben ein hervorragendes Gedächtnis: Das normale Gewicht an Körperfett kann demnach viel schneller erreicht werden und wird womöglich noch übertroffen.

 
Wer jetzt noch daran zweifelt, ob dieser Kampf die Kilos nicht doch wert war, dem präsentieren wir gerne, was er nun über Monate erreicht hat:
 
1. Einen eingebrochener Stoffwechsel

2. Eine höhere Chance Diabetes zu bekommen, da die Insulinwerte angestiegen sind

3. Fett wird effektiver und schneller gespeichert

4. Das Muskelgewebe hängt schlaff herunter, die körperliche Gesundheit ist am Tiefpunkt. Das Bewusstsein auch.

5. Die Beziehung zum Essen hat sich negativ verändert und eine Essstörung klopft quasi schon an die Haustür

6.
Soziale Isolation

Fazit der Crash-Diät

Crash-Diäten hören sich zunächst verlockend an, sind aber alles andere als gesund und ratsam. Neben Mangelerscheinungen ändert sich der komplette Gemütszustand und kann für soziale und psychische Schwierigkeiten sorgen. Auch wenn es manch einer nicht mehr hören kann, aber wer gesund abnehmen möchte, der sollte wohl oder übel auf eine ausgewogene Ernährung sowie Sport zurückgreifen. Diese Kombination ist auf Dauer nicht nur erfolgreicher, sondern tut dem Körper auch etwas Gutes.