City-Guide: Budapest

In Budapest tut sich gerade viel. Der Alte-Welt-Charme der Jugendstilpaläste trifft auf coole Shops und schicke Bars. Und auch die Küche zelebriert eine (gulaschfreie) neue Leichtigkeit

budapest
Zeitsprung zwischen Buda und Pest
Der große Ephraim Kishon wurde in Budapest geboren und wuchs hier auch auf. Obwohl er später Israel als seine Heimat betrachtete, bewahrte er das besondere Fluidum der ungarischen Hauptstadt für immer in seiner Seele: diese Mischung aus feinsinnigem Humor und einer stillen Melancholie, die jeder spürt, wenn er zum ersten Mal in die Stadt kommt. Sie überlebt die Zeit in den Kaffeehäusern der Jahrhundertwende, in gutbürgerlichen Gasthäusern und traditionellen Thermalbädern. Und auch bei einem Spaziergang durch das Burgviertel von Buda – der einen Stadthälfte –, das mit Fischerbastei, Matthiaskirche und Nationalgalerie einem Open-Air-Museum gleicht, scheint noch alles beim Alten zu sein.

Anders am gegenüberliegenden Donau-Ufer: Hier zeigt Pest viele neue Gesichter. Trendshops und hippe Designhotels beleben neuerdings die zeitlose Eleganz der Jugendstilpaläste am Andrássy-Boulevard. Und auch kulinarisch werden neue Saiten angeschlagen: Immer mehr coole Cafés und Bistros finden sich neben den nostalgischen Kaffeehäusern. Man praktiziert eine neue Leichtigkeit bei den einheimischen Rezepten, experimentiert mit exotischen Kompositionen. Ganz ohne Gulasch und Geigen. Extremstes Beispiel für den Aufbruch ist die Entdeckung der Elisabethstadt beziehungsweise des VII. Bezirks als neues Szeneviertel. Während sich hier das jüdische Leben auf moderne Art neu erfindet, dient die morbide Architektur verfallender Jugendstilhäuser jungen Trendsettern als Kulisse für die aufregenden, manchmal schrillen Ruinenkneipen. Offensichtlich mit Erfolg: Die Kultbar "Szimpla“ hat bereits eine Schwester in Berlin-Friedrichshain. 
Christine von Pahlen