Botox Report: Der Stoff für alle Fälle

Die Karriere von Botox als Anti-Aging-Mittel begann 2002. Heute genießt es Weltruhm. Aber ist der Einsatz des Neurotoxins wirklich unbedenklich? Wie wird es hergestellt? Was hat es mit wohlgeformten Waden zu tun? Und: Macht es tatsächlich glücklich? Der große Botox Report - Einblicke in die Welt der Nr. 1 der Faltenglätter!

Botox

Botox wurde bereits im Jahr 1820 entdeckt und gilt heute als Faltenglätter Nummer eins.

Oft läuft es ähnlich wie auf einer Tupper-Party: Eine Handvoll Frauen trifft sich in einem privaten Wohnzimmer, es gibt Aperol Spritz und Tartes, es wird geredet und gelacht. Statt des Küchenzubehör-Verkäufers kommt dann allerdings ein Botulinum-Spezialist. Seine Mission: Aufklärung und Beratung. Nicht selten gibt es aber auch gleich vor Ort die Möglichkeit, sich mit Botulinum behandeln zu lassen; die Gastgeberin bekommt in solchen Fällen die Anti-Falten-Spritze mit Rabatt.

Neuer Trend: Botox Party Botox-Party - unter diesem Schlagwort fndet man bei Google knapp fünf Millionen Einträge. Noch vor wenigen Jahren wurde die Anti-Falten-Variante der Tupper-Party in Deutschland nur hinter vorgehaltener Hand verabredet und unter den Patienten als Geheimtipp gehandelt. Heute reicht ein Klick, und man findet bundesweit Adressen für die Spritztour außerhalb der Sprechstunde. Botox-Partys sind in der gesellschaftlichen Normalität angekommen, auch wenn viele Ärzte ihnen nach wie vor skeptisch gegenüberstehen.

Weltweit belegen Botulinum-Injektionen Platz eins unter den Beauty-Behandlungen. Allein der Marktführer Allergan könnte laut Prognosen in diesem Jahr sechs Milliarden Dollar Umsatz verbuchen - maßgeblich durch den Topseller Botulinum. Und Allergan-Chef David Pyott setzt weiter auf Expansionskurs: In den nächsten fünf Jahren will er Deutschland zum wichtigsten Markt für Botulinum-Therapien in Europa machen. An Kundennachwuchs mangelt es nicht. Das Durchschnittsalter sank 2013 um zwei Jahre auf 44,4.

Was aus ihrer Entdeckung einmal werden würde, hätte sich das kanadische Ehepaar Carruthers sicher nicht träumen lassen. Die Augenärztin Jean und ihr Mann Alastair, ein Dermatologe, lieferten 1991 den Beweis für die faltenglättende Wirkung von Botulinumtoxin. Denn Jean Carruthers war aufgefallen, dass Injektionen gegen unkontrolliertes Augenzucken auch die Falten ihrer Patienten beseitigten. Ihre Erkenntnisse allerdings wurden kaum beachtet. Nicht einmal Allergan, Hersteller des neurologisch genutzten Präparats Botox, wollte damals etwas von einer kosmetischen Behandlung wissen. Eine Chance als Beauty-Elixier bekam der Wirkstoff erst über zehn Jahre später, nach einem Geschäftsführerwechsel bei Allergan. Unter der Ägide von David Pyott bekam "Vistabel" - so der Name des ersten für ästhetische Zwecke entwickelten Botulinums - 2002 die Zulassung der zuständigen US-Behörde. Kaum war die globale Vermarktung angeschoben, machte das Beauty-Botox eine steile Karriere.

Kalkulierte Angstmache Dem Siegeszug des Neurotoxins zum Trotz ist "Botox-Panne" zum Synonym für eine missratene Schönheitskorrektur geworden. Man denkt an Stars wie Nicole Kidman und Meg Ryan, deren Haut wie angetackert aussieht, das Gesicht wie eingefroren. "Hier ist viel Unwissenheit im Spiel", sagt Dr. Nicole David, Fachärztin für Neurochirurgie und Leiterin der Praxis Contour in Fulda, die seit Jahren mit Botulinumtoxin arbeitet. "Sicher weiß nicht jeder Promi-Redakteur über die Wirkungsweise von Botulinumtoxin Bescheid und fasst deshalb pauschal die verschiedensten Behandlungen unter diesem Begriff zusammen. Vielfach habe ich aber den Eindruck, dass die Bezeichnung Botox-Panne bewusst gewählt wird, weil sich damit alle möglichen Klischees und Vorurteile gegenüber der ästhetischen Chirurgie transportieren lassen." Kalkulierte Angstmache nennt sie das, spricht bewusst überspitzt von der Botox-Lüge.

"In Wirklichkeit ist Botulinum ein hervorragendes Mittel, mit dem großartige Ergebnisse möglich sind. Es wirkt wie ein sanfter Weichzeichner", sagt die Expertin. Es sei natürlich gut möglich, dass Prominente sich wie Nicole Kidman auch damit behandeln lassen. Ihre maskenhaften, zum Teil comicartig überzeichneten Gesichter aber hätten eindeutig andere Ursachen, nämlich übertriebene OP-Techniken und eine übermäßige Unterspritzung mit Hyaluronsäure und anderen Fillern. Gerade beim "Liquid Lifting", dem Unterfüttern der Wangenmuskeln mit Hyaluronsäure, sei oft übertrieben worden. In Fachkreisen wird allzu aufgeplusterten Gesichter in Anspielung auf die Erfinder des Heißluftballons bereits das "Montgolfer-Syndrom" attestiert. Botulinum dagegen werde für die Faltenbehandlung in seriösen Praxen geradezu homöopathisch gering dosiert, mit durchschnittlich 50 bis 60 IE. "Zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie Gesichtslähmungen und Augenticks werden alle paar Monate Dosen von 300 IE aufwärts injiziert. Das aber löst keine Diskussionen aus. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig."


Ortstermin beim Spezialisten Ein Wartezimmer sucht man vergeblich im "Botox-Zentrum" im bürgerlichen Frankfurter Nordend. Kein Patient soll hier dem anderen begegnen müssen. Wobei das angesichts der großzügigen Sprechzeiten ohnehin nicht besonders wahrscheinlich wäre: Termine gibt es von montags bis sonntags, von 7 bis 21 Uhr. Das macht es den größtenteils berufstätigen Kunden leicht, ihre Karriere und die Faltenbehandlung unter einen Hut zu bekommen. "Zu mir kommen Architekten, Anwälte, Ärzte", erklärt Dr. Peter Stein, Leiter des Zentrums, das sich auf Botulinumbehandlungen spezialisiert hat. Etwa jeder dritte Patient ist ein Mann - attraktiv, sportlich, gut gekleidet. "Es hat sich mittlerweile wohl herumgesprochen, dass sich gutes Aussehen signifkant auf den berufichen Erfolg auswirkt." Als gelernter Anästhesist setzte Dr. Stein Betäubungsspritzen vor Operationen, bis er 2008 ins Botox-Geschäft einstieg. Dort lässt sich mit seiner Fähigkeit weitaus mehr Geld verdienen. Anfangs hatte er ein bis zwei Patienten pro Woche, mittlerweile hat sich die Zahl vervielfacht. Dr. Stein will bald vergrößern. "Es läuft sehr gut", sagt er. Die Gründe liegen für ihn auf der Hand: "In einem spezialisierten Zentrum sind die Wartezeiten kürzer. Und man hat die Garantie, einen Arzt anzutreffen, der Botulinum-Behandlungen nicht nebenher anbietet, sondern eine große Expertise aufweist."
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Filler: Vorher / Nachher

Mit einem kleinen Eingriff jünger aussehen

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Der Behandlungs-Klassiker ist auch bei Dr. Stein die Zornesfalte. Aber täglich kommen neue Indikationen dazu, vom Kopfschmerz über verstärktes Schwitzen bis zur Depression. Willigt der Patient nach der Beratung in die Behandlung ein, hat sich Dr. Stein bereits einen Überblick über dessen Mienenspiel verschafft, wie er lacht, die Brauen runzelt, angespannt oder nachdenklich guckt. "Auf Kommando sind einige Muskeln nur schwer anzusteuern", erklärt Experte Stein. Er zeichnet den Muskelverlauf auf die desinfizierte Haut, dann setzt er die Spritzen. Im Anschluss wird eine Behandlungskarte ausgestellt, die genau angibt, wie viel, wann und von welchem Produkt injiziert wurde, selbst die Chargennummer und das Verfallsdatum werden notiert. Für die einmalige Glättung der Zornesfalte berechnet Dr. Stein 250 Euro, das ist etwas günstiger als woanders. Auf Botulinum spezialisierte Praxen bekommen dank höherer Abnahmemengen auch etwas günstigere Preise bei den Pharmafirmen und geben diese an ihre Kunden weiter, lautet seine Erklärung.

In anderen Fällen können Preisnachlässe allerdings auch weniger ehrenhafte Gründe haben. Vor allem der Einkaufspreis des Botulinums spielt eine Rolle: Nach wie vor drängen viele Hersteller mit Sonderangeboten auf den Markt, deren Qualität nicht nachprüfbar ist. Es vergeht kaum ein Monat, sagt der Münchner Hautarzt Stefan Duve, in dem ihm nicht ein Vertreter eine günstige Alternative zu den drei in Deutschland für die Faltenbehandlung zugelassenen Präparaten anbietet. Neben "Vistabel" von Allergan sind das "Azzalure" von Galderma und "Bocouture" von Merz.


Botox Herstellung? Streng geheim! Wer etwas über die Quelle der Markenpräparate erfahren will, muss nach Westport an die irische Nordwestküste reisen. Die Shops in dem Bilderbuch-Städtchen sind voll, die Bars ebenso, die Geschäfte boomen - und das, obwohl der Rest des Landes von einer Rezession lahmgelegt wird. Zu verdanken ist das allein einer üppigen Finanzspritze durch Botulinum. Denn Westport ist der wichtigste strategische Standpunkt von Allergan. Mehr als 800 Mitarbeiter füllen hier den weltweiten Botulinum-Bedarf ab, 200 weitere Stellen sind in Planung. Vollautomatisch werden zeitweise über 300 Packungen pro Minute fertiggestellt. Im Kernbereich der Hightech-Anlage ist Sicherheitsbekleidung Pficht, regelmäßige Luft-, Oberflächen- und Produktproben sichern die Sterilität, und jede Botulinum-Charge wird im hauseigenen Labor auf Reinheit, Sicherheit und Stabilität geprüft - seit 2012, anders als bei anderen Unternehmen, ohne Tierversuche.

Begonnen hat der Herstellungsprozess im US-Bundesstaat Texas. Einmal jährlich geht von dort unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen die Vorstufe zum fertigen Produkt nach Irland. Wie sie gewonnen wird? Man vermehrt die Bakterien vom Typ A in reinen Kulturen, das heißt, man lässt das Bakterium "Clostridium botulinum" das Neurotoxin produzieren, bevor es in aufwendigsten Reinigungs- und Standardisierungsverfahren weiter aufbereitet wird. Wie genau? Streng geheim. Botulinum unterliegt als hochwirksames Nervengift schließlich dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Ein weiterer Grund für die Geheimniskrämerei dürfte allerdings Angst vor Kopien sein: Botulinum ist Big Business. Die Konkurrenz schläft nicht, jede Neuentdeckung könnte etliche Millionen wert sein.

Botox Injektion
Superstar Botox - in fast allen Disziplinen
Für die Goldgräberstimmung in der Botulinum-Branche sorgt auch, dass es längst nicht mehr nur um Falten geht. Zugelassen ist Botulinum zur Behandlung von Zornesfalte und Krähenfüßen, wird aber routinemäßig auch "off-label" eingesetzt, das heißt auf Verantwortung des Arztes. Und das immer kreativer. Zum Beispiel zur Nasenkorrektur. Dazu wird der Muskel unter der Nase mittels Injektion entspannt, eine nach unten zeigende "Adlernase" so leicht angehoben. Auch für vollere Lippen kann Botulinum sorgen: Die behandelte Oberlippe dreht sich leicht aus, sodass sie voller erscheint. Beim Mesobotox bringen Mikro-Injektionen einen Wirkstoff-Mix aus kleinsten Mengen Botulinum, Hyaluronsäure, Vitaminen und Antioxidantien in die Haut, was gleichzeitig die Neubildung von Kollagen anregt, sodass sich die Hauttextur verfeinert und verjüngt. Bei Akne-Patienten beruhigen die Injektionen die in die Haut ragenden Muskeln und regulieren so die gestörte Lipidproduktion, was Entzündungen lindert und die Poren verfeinert. In ersten Versuchen an der Case Western Reserve University in Cleveland verringerten Botulinum-Injektionen auch das klinische Erscheinungsbild und das Auftreten von Psoriasis, also Schuppenflechte.


Aus Asien kommt der Trend, zu kräftige Waden zu verschlanken. Mit feinen Kanülen blockiert man gezielt einzelne Stränge des Wadenmuskels, was seinen Umfang um bis zu vier Zentimeter reduziert. Und auch allzu muskulöse Oberarme werden mittels vieler kleiner Botulinum-Depots der Wunschform angeglichen. Die Muskeln werden schlanker, der Bewegungsablauf aber bleibt normal. Ein Geheimtipp unter Fashion-Victims ist die Behandlung der Fußsohlen mit Botulinum. Vorgeschobener Grund: Schwitzfüße. Eigentlicher Nutzen: Es macht die Sohlen unempfndlicher, sodass man seine schicken High Heels schmerzfrei ausführen kann. Sogar eine Botulinum-Diät könnte uns bevorstehen: Es laufen Studien zum Abnehmen mithilfe des Neurotoxins. Gastroenterologen stellen dabei die Magenmuskulatur ruhig, um die Entleerung zu verlangsamen, das Sättigungsgefühl zu steigern und so das Gewicht zu reduzieren. Ob das wirklich sinnvoll ist, müssen eindeutigere Studienergebnisse noch beweisen.


Botox - der Stimmungsmacher Eindeutig belegt werden konnte, dass Botulinum gegen Depressionen hilft. Dermatologen war schon lange aufgefallen, dass Injektionen in die Glabella-Region, also den Bereich zwischen den Brauen, die Stimmung verbessern. Erste Studien zum Thema waren vielversprechend. Jetzt veröffentlichten Dr. Eric Finzi, Dermatologischer Chirurg, und Dr. Norman E. Rosenthal, Psychiater, die Ergebnisse der bisher größten Doppelblindstudie. Dabei bekamen 74 depressive Patienten eine einmalige Injektion in die Glabella-Region, teils mit einem Placebo-, teils mit einem Botulinum-Präparat. Nach sechs Wochen zeigte sich, dass die depressiven Symptome der Botulinum-Gruppe um 47 Prozent zurückgegangen waren. Die Erklärung: Die Mimik drückt nicht nur Gefühle aus, sondern beeinflusst sie auch - das Gehirn reagiert auf die Muskelimpulse. Und selbst wenn die Sorgenfalte zwischen den Brauen künstlich, also durch Botulinum entspannt wird, bekommen wir bessere Laune. "Unsere Studie ist bahnbrechend, weil sie Depressiven und ihren Ärzten eine völlig neue Herangehensweise an die Behandlung aufzeigt", sagt Dr. Norman E. Rosenthal, Leiter der Psychiatrie der Georgetown Medical School. Sie könnte den Menschen Hoffnung geben, bei denen bislang weder medikamentöse noch andere Formen der Therapie Erfolg zeigten.

Der Faltenkiller im Tiegel? Sicher, effzient und simpel anzuwenden - nach einer Möglichkeit, Botulinum auch als Creme anzuwenden, suchen Wissenschaftler schon lange. Der Erfolg scheint jetzt zum Greifen nah. In den USA sind die Studien zu einer Botulinum-Gel-Formulierung abgeschlossen. Dem Gel, das die Firma Revance entwickelte, wurde darin eine sehr gute Wirksamkeit nachgewiesen. Zwar zeigte es sich für eine Entspannung der Zornesfalte zu schwach, für die Augenregion aber eignet es sich den Studien zufolge sehr gut, da der Muskel hier direkt mit der Haut in Verbindung steht. Für eine Marktreife wären in Deutschland noch weitere Studien nötig. Egal, wie die ausfallen würden: Ins Badezimmerschränkchen wird sich das Botox-Gel niemand stellen können, denn es wird nur von Ärzten angewendet - und Botox-Spritzen nicht ersetzen. "Den Effekt einer Injektion kann man mit einer Creme niemals erreichen", sagt die Münchner Dermatologin Dr. Patricia Ogilvie. "Für eine natürlich wirkende Glättung mimischer Falten müssen ganz gezielt einzelne Muskelanteile abgeschwächt werden. Das ist bei einer oberfächlichen Anwendung niemals möglich."

Was die Zukunft bringt Botulinumtoxin ist zwar ein Anti-Aging-Hit, doch hauptsächlich eingesetzt wird das Neurotoxin heute nach wie vor in der Neurologie. "Das wird sich massiv ändern", prognostiziert Dr. Gerhard Sattler, Gründer der renommierten Rosenpark Klinik, der weltweit als Kapazität in der ästhetisch-operativen Dermatologie gilt. "In 20 Jahren sind ästhetische Behandlungen ein ganz anderes Thema mit größerem Marktanteil als heute." Befeuert wird das durch langfristiges Marketing der Anti-Aging-Industrie: "Firmen wie Nestlé und Procter bauen schon heute ihre Strategien auf, um in 20 Jahren den Markt zu bestimmen. Es wird mehr Mitbewerber geben. Vor allem die Koreaner beeinflussen den noch von Amerika dominierten Markt deutlich mit guten Produkten."

Schon in den nächsten zwei Jahren rechnet Sattler mit einer Zulassung von Botulinum für das gesamte obere Gesichtsdrittel. Seine Prognose: "Es werden mehr und mehr Körperbehandlungen dazukommen." Das heißt: Verschlankung von Hals, Rücken, Oberarmen oder Waden. Und auch in Europa wird das Toxin zunehmend bei Zähneknirschen (Bruxismus) eingesetzt, in Asien bereits gang und gäbe. Denn der durch das Knirschen verstärkte Kaumuskel verursacht eine eher eckige Gesichtsform, die durch eine gezielte Schwächung des Muskels wieder ovaler wird. Langfristig aber, so glaubt Sattler, wird Botulinum seine Position als Beauty-Booster Nummer eins verlieren. Seine Prognose: Filler werden ihm den Rang ablaufen. "Filler können weit mehr als aufpolstern, sie können das Gesicht formen oder sogar liften", erklärt er. "Neben dem unmittelbaren Verdrängungs- und Schwellungseffekt entwickelt sich in den acht Monaten nach der Injektion ein biologischer Stimulationseffekt." Was bedeutet: Die Kunden sehen direkt nach der Behandlung schon jünger und frischer aus - und ein Jahr später noch viel besser. Botulinum kann hier nicht mithalten. "Faltenbehandlungen müssen neu betrachtet und geplant werden", sagt Sattler.

Botox Vorurteile Viele Patienten, die zum Beauty-Doc kommen, lehnen Botulinum-Behandlungen rundweg ab. Fünf Vorurteile werden dabei besonders häufig ins Feld geführt. Einer genaueren Betrachtung hält indes keines stand. Dr. Boris Sommer ist Dermatologe und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Botulinum-Therapie (DGBT). Die DGBT wurde 2006 als interdisziplinäre medizinische Fachgesellschaft gegründet, um eine standardisierte Ausbildung und Zertifzierung von Botulinum-Therapeuten zu ermöglichen und Patienten eine objektive und fundierte Plattform zu bieten.

1) Botulinum friert die Mimik ein
Nein. Ein erfahrener Arzt dosiert so, dass ein natürliches Aussehen erhalten bleibt, die Falten abgeschwächt oder geglättet werden. Die maskenartige Mimik entsteht, wenn zu oft
und zu hoch dosiert gespritzt wird.

2) Langzeitstudien existieren nicht
In der Neurologie verwendet man Botox seit den 80er-Jahren, in der Ästhetik seit rund 15 Jahren. Allgemeiner Konsens: Botox wird resorbiert, die Wirkung vergeht.

3) Botox ist ein Nervengift
Wie bei anderen Medikamenten gilt auch hier: Konzentriert ist es ein Gift, stark verdünnt ein Therapeutikum. Die sehr niedrige Dosierung bei Gesichtsanwendungen schließt eine Vergiftung aus. Bei Kindern, die wegen Spasmen behandelt werden, liegt die Dosis um ein Vielfaches höher.

4) Sobald man mit den Spritzen aufhört, kommen die Falten stärker zurück
Im Gegenteil. Botulinum wirkt sozusagen auch pädagogisch, man spannt die gespritzten Muskeln automatisch weniger an. Bei fortlaufender Behandlung kann die Dosis daher meist gesenkt, die Abstände zwischen den Sitzungen können vergrößert werden. Dann bringen oft zwei oder drei Anwendungen über Jahre Ruhe.

5) Mit der zeit lässt Botulinum die Muskeln verkümmern
Es gibt Muskeln, die durch Botulinum an Umfang verlieren - deshalb wird es zum Beispiel beim großen Kaumuskel und bei den Waden als körperformende Behandlung eingesetzt. Die Muskeln von Stirn, Mund und Augen verändern sich durch Botulinum jedoch nicht. Weshalb die Muskeln unterschiedlich reagieren, weiß man noch nicht.

Weitere Informationen zu Botox und dem Thema Anti-Aging finden Sie hier.

Text: Abenaa Namslau, Tanja Reuschling