Bergen

Es gibt Flecken auf der Welt, die muss man einfach besucht haben – weil sie das Herz öffnen. Die norwegische Stadt Bergen ist so ein magischer Ort.

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Unberührte Natur - Bergen ist von Wasser umgeben.

Pastellfarbene und weiße, dazwischen karminrote und kornblumenblaue, zum Teil von Wind und Wetter gebleichte, schlichte Holzhäuser, die sich um eine hübsche Bucht drängeln: So erträumt man sich ein typisches Hafenstädtchen an Norwegens Nordwestküste. Einen Bilderbuchort wie Bergen.
Bergen Norwegen
Seit Abgesandte der deutschen Hanse hier im 14. Jahrhundert ein Kontor eröffneten, hat sich nicht viel verändert. Die Kehrseite der Medaille: So viel Schönheit lockt viele an auf der Suche nach ihrem Sehnsuchtsort, und zwischen Mai und Oktober nehmen monumentale Kreuzfahrtschiffe Kurs auf den Hafen mit Tausenden Entdeckern an Bord. Sie – wie jeden Individualreisenden, der sich mehr als einen Tag Zeit nimmt für einen Besuch der Stadt – treibt es zum Torget-Fischmarkt mit seinem sagenhaften Angebot an Meeresgetier. Oder in die gemütlichen Stuben der vielen Restaurants am Hafen, wo man bei schönem Wetter auf den Sonnenterrassen sitzt. Hier, in Bryggen, dem historischen Hansekontor, umweht einen immer noch der Hauch seiner Blüte.
Weltkulturerbe
Inzwischen Weltkulturerbe ist das Viertel, das 1702 einem Brand zum Opfer fiel, mit seinen größtenteils liebevoll wiederaufgebauten Kaufmannshöfen, Speicherhäusern, Schreibstuben und einem Museum voller Erinnerungen an alte Zeiten mit Sicherheit die spannendste Attraktion der zweitgrößten Stadt Norwegens.
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Ein von Rosen umranktes Holzhaus - typisch für Bergen.


Ein weiteres Highlight: eine Fahrt mit der Standseilbahn auf den Fløyen. Er ist mit seinen 320 Metern zwar nicht der höchste der sieben Hügel, aber der beliebteste. Von seiner Aussichtsterrasse ist der Blick auf die bunten Häuser und den Hafen einfach traumhaft und macht Lust auf einen Spaziergang über den von Bänken und Blumenbeeten gesäumten Marktplatz Torgallmenningen bis ins Universitätsviertel, dessen steile Gassen zum Teil durch Treppen verbunden sind. Auch hier wuchern Rosen, Margeriten und Geranien in Töpfen und Kästen.
Edvard Munch Im Klosteret-Viertel, auf der ruhigeren Seite des Hafens, wo sich Künstler und Filmemacher in den schicken Lofts der alten Fabrikhallen eingerichtet haben, schmücken sich die meisten Häuser mit hingebungsvoll gepflegten Gärtchen. Es ist, als ob man hier den lange ersehnten kurzen Sommer mit allen Mitteln festhalten wollte. Wobei: Der Melancholie der dunkleren Jahreszeit verdanken wir die wunderbare Musik von Edvard Grieg und einige Bilder, die Edvard Munch in Bergen gemalt hat. Ole Bull, der Paganini des Nordens, hinterließ der Stadt das Norske-Theater, für das der Dramatiker Henrik Ibsen sechs Jahre als künstlerischer Leiter tätig war.

Eine Reise nach Bergen wäre nicht vollkommen, ohne die Wunderwelt der Fjorde gesehen
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Die norwegischen Fjorde lassen sich am besten per Boot erkunden.

zu haben. Man kann sich ihnen per Auto nähern, Helikopter oder Wasserflugzeug, doch es ist tausendmal verlockender, mit Fähren, auf kleinen Schiffen oder an Bord des legendären Großseglers „Statsraad Lehmkuhl“ auf schmalen, von schwindelerregend hohen Felswänden gesäumten Wasserwegen von der Ostsee aus ins Herz des Hinterlands zu cruisen.
Fjord
Wer viel Zeit hat, folgt dem 200 Kilometer langen Sognefjord auf einer Fähre bis Balestrand und von dort auf einem Seitenarm bis nach Fjærland, dem berühmten Bücherdorf, wo man in alten Bootshäusern in über 200 000 bibliophilen Raritäten stöbern kann. Oder man reist noch weiter nach Norden und folgt den Spuren des Polarforschers Fridtjof Nansen auf einer Hurtigruten-Kreuzfahrt, deren Postschiffe vom Heimathafen Bergen aus bis zum Nordkap fahren.

Christine von Pahlen