Vorsatz „Abnehmen“ – warum Sie scheitern werden und wie es besser geht

Unsere Redakteurin hält den Vorsatz „Abnehmen im neuen Jahr“ für absolut sinnlos und erklärt, wieso man daran nur scheitern kann.

Der Vorsatz "Abnehmen" wird immer scheitern – aus berechtigtem Grund

Der Vorsatz "Abnehmen" wird immer scheitern – aus berechtigtem Grund

Jährlich grüßt das Murmeltier

New Year, new me!“ Der hoch emotionale Dezember-Monat wimmelt nur so von Hashtags we #newyearnewme, #chapterclosed oder #bye20irgendetwas – klar, die Feiertage haben der Figur nochmal den letzten Rest gegeben und Silvester schreit förmlich nach dem Vorsatz, doch endlich(!) mal etwas für die Figur zu tun. 

Beinahe ein Drittel der Deutschen macht sich das Abnehmen zum Vorsatz im neuen Jahr, jeder Zweite will sich gesünder ernähren (DAK- Studie 2017). Damit geht einher, dass 53% sich mehr bewegen, bzw. mehr Sport machen wollen – fein, zumindest der Ehrgeiz ist vorhanden. 

Abnehmen durch Laufen: Soviel Kilometer sind effektiv

 
Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind (und das sollten wir nicht nur am Ende des Jahres sein), dann ist es fast schon vorprogrammiert, dass der Vorsatz „Abnehmen“ scheitern wird. Die Erklärung hierfür ist kein Meisterwerk, sondern pure Logik und ein wenig Selbstoffenbarung. Vielleicht wissen Sie dies auch schon bereits, dennoch halten Sie krampfhaft an dem Vorsatz fest. Denn „Dieses Jahr, da muss es doch endlich klappen“, – nicht wahr?

 
5 Gründe zum Scheitern

 
Grund Nummer 1: Den Jahreswechsel als Startpunkt setzen

Möp, durchgefallen! Dieser Grund ist wahrscheinlich der Wichtigste von diesem jährlich grüßenden „New Year, new me“-Quatsch. Was macht ein Jahreswechsel für einen Unterschied, sodass die meisten diesen als Grund für Vorsätze nehmen? Genau genommen: Keinen. Wer aus tiefster Überzeugung abnehmen möchte der weiß, dass gutes Timing entscheidend sein kann: Manchen fällt das Abnehmen im Sommer leichter, einige benötigen (z.B. bei bestimmten Ernährungsmethoden) eine gewisse Vorlaufzeit. Von null auf hundert hat noch niemand Wunder vollbracht und erst recht nicht, wenn es um langfristige Erfolge und einen gesunden Weg geht. Wer etwas wirklich ändern möchte, der benötigt dafür keinen Jahreswechsel oder um es direkter auszudrücken: Eine Ausrede, nicht schon im November damit zu beginnen. 

 
Grund Nummer 2: Nichts über Ernährung wissen

Kohlenhydrate machen sofort dick, Eiweiße sind gut und wer vor dem Zubettgehen noch etwas isst, dem sei gesagt: So wird das nichts! Dieses 0815-Halbwissen ist nicht nur unzureichend, sondern auch noch falsch. Der Vorsatz abzunehmen scheitert, weil die meisten sofort auf Kohlenhydrate verzichten und stattdessen leichte Kost wie Suppen, Salate und Obst zu sich nehmen. Doch eventuell benötigt ihr Körper das gar nicht, sondern ist ständig beruflich im Einsatz. Oder aber Sie fahren gemütlich mit dem Auto zur Arbeit und ihr Körper kann die aufgenommene Energie (z.B. Kohlenhydrate) gar nicht verwerten und lagert sie – vereinfacht gesprochen – ein. Eignen Sie sich nicht nur ein Wissen über gesunde Ernährung an sondern auch, wie sich diese auf gerade IHREN Körper auswirkt. So können Sie zum Beispiel Sport und davon abhängige Ernährung langsam in den Alltag integrieren und aufeinander abstimmen.
 
 

Grund Nummer 3: Fehlende Überzeugung

Hand aufs Herz: Wieso machen wir uns Vorsätze? Wir glauben an das scheinbar Unmögliche und daran, dass wir einen Vorsatz erfüllen können. Schon allein der Gedanke reicht aus, das persönliche Wohlbefinden zu steigern. Wir fühlen uns unantastbar – zumindest so lange, bis der Vorsatz (wie überraschend!) hinüber ist. Was fehlt ist die unerschütterliche Überzeugung die den Gedanken „Jeder macht sich das Abnehmen zum Vorsatz, also ich auch“ überschatten sollte. Der fade Beigeschmack jedes Vorsatzes ist der Aberglaube, dass im neuen Jahr alles klappen kann.
 
 

Grund Nummer 4: Verzichten statt Strukturen erstellen

Abnehmen ist mit Diäten verbunden und Diäten bedeuten meistens immer Verzicht. Wer verzichtet erlebt Frust und schlechte Stimmungen, greift fix zur Trostschokolade und ist demnach wieder ein paar Schritte weiter vom Ziel entfernt. Verzicht kann helfen, sollte aber auf Strukturen basieren. Sie müssen nicht drei Monate auf Schokolade verzichten, das wäre totaler Humbug! Abnehmen bedeutet eben weitaus mehr als Sport und Ernährung, auch der Alltag muss angepasst werden.
 
 
Grund Nummer 5: Der innere Schweinehund

Vorsätze funktionieren nicht, weil sie nicht verbindlich sind. Sie sind es weder im Februar oder Juni, noch an Neujahr. Was verbindlich ist sind Ziele und zwar Ziele jener Art, die ein konkretes Datum und eine genaue Vorstellung enthalten. „Ich möchte ein paar Kilo abnehmen“ ist in dieser Hinsicht lediglich ein stumpfer Vorsatz, aber „Ich möchte bis zum 30. März mindestens 3 Kilo abnehmen“ ist ein Ziel! Noch konkreter wird es natürlich durch einen Ernährungs- und/oder Fitnessplan. Es ist traurig aber wahr: Der innere Schweinehund hasst Veränderungen, auch noch nach drei Wochen. Und ganz ehrlich: Mein Schweinehund bekommt mich immer wieder dazu an den Naschvorrat im Office zu gehen – ja, auch gerne fünfmal am Tag. Und das ist in Ordnung, denn unser Körper benötigt mindestens 30 Tage, bis er eine Veränderung als „normal“ anerkennen kann.
 


Gescheitert – und nun?

Um die negative Luft aus dem ganzen Neujahrs-Vorsätze-Quatsch zu lassen: Na klar kann man abnehmen. Zu jederzeit, mit dem richtigen Wissen und dem genauen Plan! Trotzdem: Wer sich diese Art von Vorsätzen macht, der wird beim Abnehmen scheitern: Nicht nur an Silvester oder Neujahr, sondern das ganze Jahr über. Vorsätze sind nichts weiter als unrealistische, enttäuschende Ungenauigkeiten die wir nicht mit uns selbst, sondern mit der Masse abschließen. Gehört ja quasi zu Silvester dazu. Wie das Bleigießen und der Kater am Morgen – was soll da schon schiefgehen…